Bringt richtig viel: die Wärmewende

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In Gebäuden lassen sich durch energetische Sanierungen bis zu 80 % des Energieverbrauchs sparen

Mehr als die Hälfte der Deutschen möchte ihr Heizsystem nicht auf erneuerbare Energien umstellen, solange es noch tadellos funktioniert. Das ergab eine Umfrage von Kantar Emnid aus dem Jahr 2017, bei der 424 Hausbesitzer befragt wurden (Quelle: Recknagel Online). Diese Einstellung zu den Erneuerbaren bringt ein echtes Hemmnis für die Energiewende: Denn deutlich mehr als zwei Drittel des realen Energieverbrauchs in privaten Haushalten entfallen laut Statistischem Bundesamt auf die Bereiche Raumheizung und Warmwasser (Quelle: Umweltbundesamt). Beides zusammen verursacht auch in Baden-Württemberg knapp 30 % des CO₂-Ausstoßes. Das Potenzial, welches in der richtigen Wärmegewinnung und -versorgung auch für die Energiewende steckt, wird häufig unterschätzt.

 

kleine Häuschen aus Dämmmaterial auf einem Tisch
Mit der richtigen Dämmung lassen sich Wärmeverluste um bis zu 80% reduzieren. // Copyright: Shutterstock/Stockcreations

Alte Heizungen, alte Energieträger

Bis 2050 soll der Anteil erneuerbarer Energien bei der Gebäudewärme auf 80 % steigen. Doch die regenerativen Anteile blieben in den vergangenen Jahren nahezu unverändert. Warum? Die Gründe dafür sind vielfältig. Über 70 % aller Heizungen in Baden-Württemberg werden mit Öl oder Gas betrieben (Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.). Und gerade einmal circa 3 % beträgt die Sanierungsrate beim Heizungstausch. Außerdem sind drei Viertel der bestehenden Heizungen nicht auf dem neuesten Stand der Technik. Wir müssen also ernst machen mit der Energiewende und anpacken, wenn wir unser Ziel, uns von fossilen Energieträgern zu lösen, erreichen möchten. Damit sorgen wir nicht nur für einen geringeren Ausstoß von CO₂, wir machen uns damit auch unabhängiger von teuren und mitunter unsicheren Importen an fossilen Energieträgern.

Wärmedämmung bringt enorme Ersparnis

Die klimafreundlichste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Im Rahmen der Wärmewende kommt vor allem der Wärmedämmung von Altbauten eine zentrale Bedeutung zu. Tatsächlich lassen sich durch die Dämmung von Dach, Wänden, der Kellerdecke sowie durch das Einsetzen neuer Fenster die Wärmeverluste um 75 bis 80 % reduzieren. Diese Zahlen unterstreicht eindrucksvoll das Modellprojekt Effizienzhäuser des Bundesbauministeriums in Kooperation mit der Deutschen Energie-Agentur (dena). Hier sank der mittlere Energieverbrauch von 223 kWh (Kilowattstunde) pro Quadratmeter und Jahr auf 54 kWh – eine Verringerung um 76 %. 

 

Mehr als zwei Drittel des privaten Energieverbrauchs fließen in Heizung und Warmwasser.

Energetische Sanierung – ein langer Weg

Von den rund 2,4 Mio. Bestandsbauten hier in Baden-Württemberg sind rund 70 % sanierungsbedürftig. Die Rate energetischer Sanierungen liegt hier wie bundesweit bei etwa 1 % – viel zu niedrig. Noch scheuen viele Hauseigentümer eine Sanierung, weil nicht klar ist, ob sich die Investitionen gegenüber den Einsparungen wirklich lohnen. Da Gebäude jedoch 35 % der Energie in Baden-Württemberg verbrauchen und sich durch eine energetische Sanierung bis zu 80 % der vorher benötigten Energie einsparen lässt, gilt, neben dem Kostenargument für „gesparte Energie“, dass dies zudem mehr Komfort und Behaglichkeit schafft und darüber hinaus den Grundstein für die Wertsteigerung der Immobilie legt. Mehr zu diesem Thema finden Sie im Leitfaden zur energetischen Sanierung.

Mit vereinten Kräften

Nicht nur Mieter und Hausbesitzer verbrauchen Wärmeenergie - auch Unternehmen: Auf Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen entfallen über 50 % des gesamten Wärmeenergieverbrauchs. Hier gibt es ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten, Wärme besser zu nutzen: Durch eine Wärmerückgewinnung bei Lüftungsanlagen z. B. können über drei Viertel der eingesetzten Wärme wieder genutzt werden, Abwärme-Nutzung kann sogar einen Heizwärme-Überschuss produzieren. Prozesswärme, die bei industriellen technischen Verfahren anfällt, beispielsweise beim Trocknen, Schmelzen oder Schmieden, lässt sich auch in ein Fernwärmenetz einspeisen. Über sogenannte Wärmetauscher gewinnen bereits etliche Kommunen in Baden-Württemberg Energie aus Abwasser, mit der sie öffentliche Gebäude beheizen. Zudem lässt sich die Dämmung der rund 440.000 Nichtwohngebäude in Baden-Württemberg oft noch verbessern. Auch durch die Optimierung des Anlagenbetriebs lassen sich häufig große Einsparpotenziale heben. Es lohnt sich also, ganzheitlich zu denken: Gebäudehülle, Anlagentechnik, Einbindung erneuerbarer Energiequellen und die Zweitnutzung von Energien sind wertvolle Mosaiksteine im Gesamtbild der Verbesserungsmöglichkeiten. 

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