Bringt richtig viel: die Wärmewende

Lesezeit: 3 Minuten

In Gebäuden lassen sich durch energetische Sanierungen bis zu 80 Prozent des Energieverbrauchs sparen.

Die Tendenz, bei einer Modernisierung der Heizungsanlage auch den Energieträger zu wechseln, ist in Deutschland insgesamt eher gering ausgeprägt. Laut einer Studie von 2019 des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gaben 86 Prozent der Deutschen an, dass der Energieträger in ihrer Wohnung, seit sie dort leben, nicht mehr gewechselt wurde. Im Durschnitt liegt die letzte Umstellung rund 16 Jahre zurück (Quelle: bdew). Diese geringe Wechselbereitschaft zu den Erneuerbaren bringt ein echtes Hemmnis für die Energiewende: Denn deutlich mehr als zwei Drittel des realen Energieverbrauchs in privaten Haushalten entfallen laut Statistischem Bundesamt auf die Bereiche Raumheizung und Warmwasser (Quelle: destatis). Beides zusammen verursacht auch in Baden-Württemberg knapp 30 Prozent des CO2-Ausstoßes. Das Potenzial, welches in der richtigen Wärmegewinnung und -versorgung auch für die Energiewende steckt, wird häufig unterschätzt.

 

kleine Häuschen aus Dämmmaterial auf einem Tisch
Mit der richtigen Dämmung lassen sich Wärmeverluste um bis zu 80% reduzieren. // Copyright: Shutterstock/Stockcreations

Alte Heizungen, alte Energieträger

Bis 2050 soll der Anteil erneuerbarer Energien bei der Gebäudewärme auf 80 Prozent steigen. Doch die regenerativen Anteile blieben in den vergangenen Jahren nahezu unverändert. Warum? Die Gründe dafür sind vielfältig. Etwa 75 Prozent aller Heizungen in Baden-Württemberg werden mit Öl oder Gas betrieben (Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.). Und gerade einmal circa 3 Prozent beträgt die Sanierungsrate beim Heizungstausch (Quelle: bdew). Außerdem sind drei Viertel der bestehenden Heizungen nicht auf dem neuesten Stand der Technik. Wir müssen also ernst machen mit der Energiewende und anpacken, wenn wir unser Ziel, uns von fossilen Energieträgern zu lösen, erreichen möchten. Damit sorgen wir nicht nur für einen geringeren Ausstoß von CO₂, wir machen uns damit auch unabhängiger von teuren und mitunter unsicheren Importen an fossilen Energieträgern.

Wärmedämmung bringt enorme Ersparnis

Die klimafreundlichste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Im Rahmen der Wärmewende kommt vor allem der Wärmedämmung von Altbauten eine zentrale Bedeutung zu. Tatsächlich lassen sich durch die Dämmung von Dach, Wänden, der Kellerdecke sowie durch das Einsetzen neuer Fenster die Wärmeverluste um 75 bis 80 Prozent reduzieren. Diese Zahlen unterstreicht eindrucksvoll das Modellprojekt Effizienzhäuser des Bundesbauministeriums in Kooperation mit der Deutschen Energie-Agentur (dena). Hier sank der mittlere Energieverbrauch von 223 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr auf 54 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr – eine Verringerung um 76 Prozent. 

 

Mehr als zwei Drittel des privaten Energieverbrauchs fließen in Heizung und Warmwasser.

Energetische Sanierung – ein langer Weg

Von den Bestandsbauten in Baden-Württemberg ist der größere Teil sanierungsbedürftig. Die Rate energetischer Sanierungen liegt hier wie bundesweit bei etwa 1 Prozent – viel zu niedrig. Noch scheuen viele Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer eine Sanierung, weil nicht klar ist, ob sich die Investitionen gegenüber den Einsparungen wirklich lohnen. Da Gebäude jedoch 35 Prozent der Energie in Deutschland verbrauchen und sich durch eine energetische Sanierung bis zu 80 Prozent der vorher benötigten Energie einsparen lässt, gilt, neben dem Kostenargument für „gesparte Energie“, dass dies zudem mehr Komfort und Behaglichkeit schafft und darüber hinaus den Grundstein für die Wertsteigerung der Immobilie legt. Mehr zu diesem Thema finden Sie im Leitfaden zur energetischen Sanierung.

Mit vereinten Kräften

Nicht nur Mieterinnen und Mieter und Hausbesitzende verbrauchen Wärmeenergie – sondern auch Unternehmen: Auf Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen entfallen über 50 Prozent des gesamten Wärmeenergieverbrauchs. Hier gibt es ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten, Wärme besser zu nutzen: Durch eine Wärmerückgewinnung bei Lüftungsanlagen beispielsweise können über drei Viertel der eingesetzten Wärme wieder genutzt werden, Abwärme-Nutzung kann sogar einen Heizwärme-Überschuss produzieren. Prozesswärme, die bei industriellen technischen Verfahren anfällt, beispielsweise beim Trocknen, Schmelzen oder Schmieden, lässt sich auch in ein Fernwärmenetz einspeisen. Über sogenannte Wärmetauscher gewinnen bereits etliche Kommunen in Baden-Württemberg Energie aus Abwasser, mit der sie öffentliche Gebäude beheizen. Zudem lässt sich die Dämmung der rund 440.000 Nichtwohngebäude in Baden-Württemberg oft noch verbessern. Auch durch die Optimierung des Anlagenbetriebs lassen sich häufig große Einsparpotenziale heben. Es lohnt sich also, ganzheitlich zu denken: Gebäudehülle, Anlagentechnik, Einbindung erneuerbarer Energiequellen und die Zweitnutzung von Energien sind wertvolle Mosaiksteine im Gesamtbild der Verbesserungsmöglichkeiten. 

Verwandte Themen