Wir brauchen eine Wärmewende

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Wer die Energiewende will, muss Heizung und Warmwasser mitdenken

Dämmmaterial wird an Decke angebracht
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Netzausbau, Windräder, Solaranlagen: Wenn es in der Öffentlichkeit um die Energiewende geht, kreisen die Diskussionen meist um diese Themen. Wärmeerzeugung und -verbrauch werden dabei oft vergessen – dabei macht dieser Bereich rund 50 Prozent unseres Endenergieverbrauchs aus (Quelle: Umweltbundesamt). Eine echte Energiewende kann deshalb nur gelingen, wenn wir Wärme klimafreundlicher erzeugen und effizienter einsetzen.

 

Rund 70 Prozent aller Heizungen in Deutschland werden nach wie vor mit Öl oder Gas betrieben.

Was falsch läuft – und was wir tun können

Wenn wir die Treibhausgasemissionen senken wollen, muss dies auch und vor allem beim Heizen und bei der Warmwasserbereitung geschehen. In Deutschland gibt es hier viel Potenzial: 70 Prozent der Ölheizungen und 60 Prozent der Gasheizungen in Deutschland sind älter als 20 Jahre. Ab einem Alter von 15 Jahren gilt ein Heizkessel allerdings als energetisch ineffizient. Das Durchschnittsalter der Heizungen im Land liegt bei ungefähr 18 Jahren (Quelle: baulinks, bdew).

Die guten Nachrichten: Durch energetische Sanierungen lassen sich bis zu 80 Prozent des Energieverbrauchs sparen. Auch der CO2-Ausstoß lässt sich durch den Einsatz erneuerbarer Energien bei Heizung und Warmwasserbereitung senken.Und: Wer seine Heizung austauscht, sein Haus dämmt oder neue Fenster einsetzen lässt, kann langfristig Kosten sparen, seinen Wohnkomfort steigern – und sich unabhängiger machen von teuren und mitunter unsicheren Importen an fossilen Energieträgern. Seit 2021 ist das besonders relevant: Denn Fossile Brennstoffe sind aufgrund der CO₂-Steuer deutlich teurer. Dazu kommen aktuell lukrative Förderungen und Zuschüsse, die Zeit für energetische Sanierungsmaßnahmen ist also günstig.

Schlüsselrolle für die Wärmedämmung

Die klimafreundlichste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Im Rahmen der Wärmewende kommt damit vor allem dem baulichen Wärmeschutz von Altbauten eine zentrale Bedeutung zu. Tatsächlich lassen sich durch die Dämmung von Dach, Wänden, der Kellerdecke sowie durch das Einsetzen neuer Fenster die Wärmeverluste drastisch reduzieren.

Sanierungen zahlen sich aus

Noch immer scheuen viele Wohneigentümerinnen und -eigentümer energetische Sanierungsmaßnahmen. Dabei können sich diese insbesondere bei Altbauten lohnen. Selbst ehrgeizige Sanierungsprojekte zahlen sich langfristig aus. Und auch wenn sich die Kosten nicht sofort amortisieren, ist der Nutzen für die Umwelt schon heute unbestritten. Denn wie die Deutsche Energie-Agentur (dena) ermittelte, kostet das Heizen von älteren Bestandsgebäuden bis zu dreimal mehr Energie als von Neubauten.


Selbst Denkmalschutz muss einer energetischen Sanierung nicht grundsätzlich im Weg stehen. Wer sein Dach dämmt, die Heizungsanlage erneuert oder neue Fenster einbauen lässt, kann bereits mit einer einzigen Maßnahme energetische Verbesserungen von bis zu 60 Prozent erzielen.

Das Heizen von älteren Bestandsgebäuden kostet bis zu dreimal mehr Energie als von Neubauten.

Auch Wirtschaft und Kommunen müssen handeln

Wer bei der Wärmewende nur ans Eigenheim denkt, vergisst: In Baden-Württemberg stehen rund 440.000 Nichtwohngebäude – davon sind 7 Prozent in kommunaler Hand, der Firmenanteil beträgt rund 93 Prozent (Quelle: Zukunft Altbau). Auf Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen entfällt über die Hälfte des gesamten Wärmeenergieverbrauchs. Hier eröffnen sich also zahlreiche Möglichkeiten, Wärme besser zu nutzen. Einige Beispiele: 

  • Durch Wärmerückgewinnung bei Lüftungsanlagen können über drei Viertel der eingesetzten Wärme wiederverwendet werden; Abwärme-Nutzung kann sogar einen Heizwärme-Überschuss produzieren. 
  • Prozesswärme lässt sich in das Fernwärmenetz einspeisen. 
  • Über sogenannte Wärmetauscher gewinnen bereits etliche Kommunen in Baden-Württemberg Energie aus Abwasser, mit der sie öffentliche Gebäude beheizen. 
  • Zudem lässt sich die Dämmung vieler Nichtwohngebäude in Baden-Württemberg noch verbessern. 
  • Auch die Optimierung des Anlagenbetriebs birgt große Einsparpotenziale. 

Unternehmen und Kommunen, die jetzt in eine ganzheitliche energetische Sanierung investieren, können sich über viele Vorteile freuen: schlecht belüftete oder zugige Büros, explodierende Heizkosten im Winter und überlastete Klimaanlagen im Sommer gehören der Vergangenheit an. Energetische Maßnahmen steigern außerdem den Immobilienwert. Ein Plus für Arbeitgeber, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter– sowie das Klima.

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