Kommunen entscheidend für die Wärmewende in Baden-Württemberg

Lesezeit: 2:30 Minuten

Wärmepläne für mehr Klimaschutz in den Kommunen
Das Klimaschutzgesetz bringt Schwung in die Wärmewende: Stadtkreise und Große Kreisstädten werden verpflichtet, kommunale Wärmepläne zu erstellen. Die übrigen Kommunen können bald eine Förderung für freiwillige Pläne beantragen. Dr. Max Peters von der KEA-BW über die Vorteile kommunaler Wärmeplanung.

Herr Dr. Peters, warum ist Wärmeplanung für Kommunen ein wichtiges Thema?

Wir können die Klimaschutzziele nur erreichen, wenn uns eine Wärmewende gelingt:Warmwasser und Raumwärme verbrauchen etwa ein Drittel der Endenergie in Deutschland. Daher müssen wir zum einen den Wärmebedarf drastisch reduzieren und dann die verbleibende Energiemenge zum Heizen und für Warmwasser aus erneuerbaren Energien decken.

Beim Übergang zu einer nachhaltigen Wärmeversorgung sind die Gegebenheiten vor Ort wichtig. Im Gegensatz zu Strom ist Wärme nicht so leicht zu transportieren. So kommt den Kommunen eine zentrale Rolle zu: Wärmeplanung ist eine Aufgabe der kommunalen Daseinsvorsorge. Mit einem Wärmeplan entwickeln Kommunen einen individuellen Weg hin zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung, der ihre Situation vor Ort am besten berücksichtigt.

Ein solcher Plan wird zu einem wichtigen Werkzeug für eine nachhaltige Stadtentwicklung: Er bildet die strategische Grundlage der Kommunen auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Wärmeversorgung. Das neue Gesetz verpflichtet Stadtkreise und Große Kreisstädte zur Erstellung eines Wärmeplans, für kleinere Kommunen wird eine freiwillige Planung durch Fördermittel attraktiv. So nimmt die kommunale Wärmeplanung in Baden-Württemberg richtig Fahrt auf und kann viel mehr Wirkung entfalten, als das individuelle Lösungen könnten.

Was beinhaltet ein Wärmeplan?

Zunächst macht die Kommune eine Bestandsaufnahme: Sie ermittelt den Wärmebedarf aller Gebäude und schaut sich die vorhandene Infrastruktur und Wärmeerzeugung an. Dann untersucht sie Potenziale erneuerbarer Energien, von Abwärme und Kraft-Wärme-Kopplung. Als nächstes wird der eigentliche Wärmeplan erstellt, ein Konzept, das bis 2050 zu einer Wärmeversorgung ohne fossile Energien führt. 

So entwerfen die kommunalen Entscheider zusammen mit den Menschen und Institutionen, die es betrifft, einen strategischen Fahrplan, an dem sie ihre Arbeit in den kommenden Jahrzehnten ausrichten können.

Welchen Nutzen hat ein Wärmeplan für die Bürgerinnen und Bürger?

Ohne eine klimaneutrale Wärmeversorgung kann Klimaschutz nicht gelingen. Dabei liegt der große Mehrwert von Wärmeplänen darin, dass alle Akteure – Gemeinden, Energieversorger, Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger – sich an dem Plan orientieren können. Dort, wo effiziente Wärmenetze eine wirtschaftliche Lösung sind, können Energieversorger, -dienstleister oder -genossenschaften Angebote für Anliegerinnen und Anlieger machen. In allen übrigen Gebieten können die Akteure ihre individuellen Entscheidungen für den Heizungstausch so treffen, dass sie im Einklang mit dem Plan sind. So ziehen alle Beteiligten an einem Strang. Deshalb ist es auch wichtig, dass Wärmepläne an den entscheidenden Schnittstellen Beachtung finden und von der Bürgerschaft und den Unternehmen akzeptiert werden.

Was sollten Kommunen bei einem Wärmeplan beachten?

Wenn Kommunen ihren Wärmeplan entwickeln, ist eine intensive Diskussion wichtig: Sie müssen Haushalten und Betrieben heute schon Perspektiven bis weit in die Zukunft aufzeigen. Heutige Entscheidungen über Gebäudesanierungen oder zur Wärmeversorgung, haben ja wegen langer Investitionszyklen häufig bis in das Jahr 2050 Auswirkungen.

Auch Aussagen zur Zukunft des Gasnetzes sind für Bürgerinnen, Bürger und Betriebe relevant. Wärmepläne sollten also eine Entscheidungshilfe für den langfristigen Ersatz der Gasversorgung bieten. Besonders bei der Entwicklung von Wärmenetzen ist es wichtig, Anwohnerinnen und Anwohner früh zu informieren und einzubinden. Aber auch dort, wo perspektivisch keine Wärmenetze entstehen, müssen Gemeinden die Bürgerinnen und Bürger über die Planungen zur Wärmeversorgung informieren. 

Nur so können die Menschen individuelle Entscheidungen zur Umstellung ihrer Wärmeversorgung im Einklang mit der kommunalen Planung treffen und nur so können alle Maßnahmen die größtmögliche Wirkung entfalten.

An wen können sich Interessierte aus den Kommunen wenden?

Für die Kommunen ist die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH (KEA-BW) der landesweit erste Ansprechpartner rund um die kommunale Wärmeplanung. Ab dem Frühjahr 2021 wird es ein Netzwerk regionaler Beratungsstellen geben, jede der zwölf Regionen wird eine eigene Ansprechpartnerin bzw. einen eigenen Ansprechpartner bekommen.

Mehr Informationen zur Wärmewende und zur kommunalen Wärmeplanung gibt es von der KEA-BW auch online: www.kea-bw.de/waermewende.

energiewende-energieversorgung-dr-max-peters
Dr. Max Peters, Leiter Kompetenzzentrum Wärmewende bei der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH (KEA-BW).

Verwandte Themen

Artikel teilen: tweet teilen