Mieterstrom – Mieterinnen und Mieter gestalten die Energiewende

Während sich Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer sehr aktiv an der Energiewende beteiligen können, gibt es für Mieterinnen und Mieter wesentlich weniger Möglichkeiten, Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Mit sogenannten Mieterstrommodellen haben auch Mieterinnen und Mieter die Möglichkeit, von günstigem Solarstrom zu profitieren.

Innenstadt mit Mehrfamilienhäuser und Dächern mit PV-Anlagen
Mit Mieterstrom profitieren auch Mietende von erneuerbaren Energien.

Mieterstrom – Was steckt dahinter?

Bei Mieterstrom handelt es sich um lokal produzierten Strom, der mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach oder einem Blockheizkraftwerk im Gebäude erzeugt und direkt an die Hausbewohnerinnen und Hausbewohner geliefert wird. Dabei kann die Lieferung des Stroms entweder durch die Vermieterin oder den Vermieter erfolgen oder – in der Praxis weitaus häufiger – von Stadtwerken oder anderen Dienstleistenden übernommen werden. Produziert die Solaranlage auf dem Mietshaus nicht ausreichend Strom, um alle Mieterinnen und Mieter mit Mieterstrom zu versorgen, wird der zusätzliche Strom aus dem Netz bezogen. Um die Bereitstellung kümmert sich der Anlagenbetreibende.

 

EEG 2021 und EEG 2023 – verbesserte Bedingungen für Mieterstrom 

Im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ist seit 2017 geregelt, dass Betreibende einer Solaranlage auf einem Wohngebäude den sogenannten Mieterstromzuschlag in Anspruch nehmen können. Das bedeutet: Zusätzlich zu dem Erlös aus dem verkauften Mieterstrom und der Einspeisevergütung wird eine Förderung für jede Kilowattstunde Mieterstrom gewährt. Damit sollen die Bewohnenden des Hauses wirtschaftlich beteiligt werden. Aufgrund vielzähliger Detailregelungen wurde der Mieterstromzuschlag bislang allerdings nur selten genutzt. Mit dem EEG 2021 wurden erste positive Änderungen vorgenommen. Diese betreffen das sogenannte Lieferkettenmodell, die Öffnung für Quartierslösungen und Neuerungen in Bezug auf die Zusammenfassung der Anlagen. Außerdem wurde die Förderung erhöht. Seit Juli 2022 ist aufgrund der Abschaffung der EEG-Umlage Mieterstrom komplett von Umlagen befreit. Ebenso erhalten mit dem EEG 2023 auch Anlagen mit mehr als 100 Kilowatt Leistung den Mieterstromzuschlag.

Die verbesserten Rahmenbedingungen im Detail

Lieferkettenmodell
Früher konnten sich nur Anlagenbesitzende den Mieterstromzuschlag auszahlen lassen, die sich auch selbst um die Abrechnung und den Verkauf des erzeugten Stroms kümmerten, also zusätzlich alle Pflichten eines Stromlieferanten übernahmen. Mit dem EEG 2021 dürfen die Vermietenden als Besitzende der Solaranlage diese Aufgaben nun einem energiewirtschaftlich erfahrenen Dritten überlassen. So können Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer eine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach betreiben, ohne sich mit Lieferantenpflichten eines Energieversorgungsunternehmens zu belasten. Sie bieten den selbst produzierten Solarstrom einem Energiedienstleister oder Stromlieferanten an, der diesen Strom dann vor Ort an die Mieterinnen und Mieter verkaufen kann. 

Quartiersbegriff
Der Strom kann nach dem EEG 2021 nicht nur in demselben Gebäude im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang, sondern auch in demselben Quartier, in dem auch dieses Gebäude liegt, verbraucht werden.
Allerdings ist der Begriff des Quartiers gesetzlich nicht festgelegt und Anlagen dürfen weiterhin nur auf, an oder in einem Wohngebäude installiert sein. Expertinnen und Experten fordern hier schon eine Nachbesserung für mehr Flexibilität. Zum Beispiel sei es sinnvoll, eine Solaranlage auch auf einem Parkhaus im Quartier zur Erzeugung von Mieterstrom zu erlauben.

Anlagenzusammenfassung
Bisher wurden Solaranlagen an benachbarten Anschlusspunkten zusammengefasst, was sich negativ auf die Vergütung auswirkte: Große Anlagen haben einen geringeren Anspruch pro Kilowattstunde als kleine. Das bleibt auch mit der Novelle so, allerdings zählen jetzt Anlagen einzeln, wenn sie an unterschiedlichen Anschlusspunkten betrieben werden. Statt des Wegfalls der Anlagenzusammenfassung setzt man im EEG 2023 auf ein Modell, bei dem zwei Photovoltaikanlagen auf dem Dach verbaut werden können: Eine Anlage zur Nutzung für den Eigenverbrauch und eine für Volleinspeisung. Dies soll eine erhöhte Einspeisevergütung der Volleinspeiseanlage bei gleichzeitigem Eigenverbrauch ermöglichen. 

Vergütung
Mit dem EEG 2023 gibt es auch einen Mieterstromzuschlag für Anlagen mit einer Leistung von bis zu einem Megawatt. Bisher lag der Deckel bei 750 Kilowatt. Dies fördert insbesondere innovative Quartierslösungen im Neubau, bei denen der Solarstrom zusätzlich für Wärme und Verkehr genutzt werden kann.
Im Juli 2022 liegt der Mieterstromzuschlag für neue Photovoltaikanlagen bis 10 Kilowatt bei 2,94 Cent, bis 40 Kilowatt bei 2,73 Cent und bis 100 Kilowatt bei 1,84 Cent. Die genaue Vergütungshöhe berechnet sich in Abhängigkeit der jeweiligen Leistungsklassen. Der Mieterstromzuschlag wird monatlich gesenkt. Ein offizielles Dokument der Bundesnetzagentur über die Degressions- und Vergütungssätze finden Sie hier.  

Jahres-Primärenergiebedarf
Einen weiteren Vorteil für Mieterstrom brachte bereits das Gebäudeenergiegesetz, das im November 2020 in Kraft trat: In neu errichteten Gebäuden kann Mieterstrom aus Photovoltaik auch bei der Ermittlung des Jahres-Primärenergiebedarfs angerechnet werden. Voraussetzung ist, dass der Strom im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang zum Gebäude erzeugt wird und hauptsächlich dort unmittelbar nach Erzeugung oder nach vorübergehender Speicherung selbst genutzt wird. Nur überschüssiger Strom darf in das öffentliche Netz eingespeist werden. Ohne Batteriespeicher beträgt der Abzug bis zu 30 Prozent, mit Batteriespeicher sogar bis zu 40 Prozent.

Abschaffung der EEG-Umlage 
Am 1. Juli 2022 wurde die EEG-Umlage auf null gesetzt. Damit ist Mieterstrom komplett umlagenbefreit. Das baut Bürokratien ab und macht das Modell wirtschaftlich attraktiver. 

Erleichterung der Netzanschlussprozesse 
Bürokratische Prozesse wie der Netzanschluss der Photovoltaikanlage, die eine große Barriere in den Einstieg von Mieterstrom darstellen, wurden durch das EEG 2023 vereinfacht: Bei Photovoltaikanlagen bis 30 Kilowatt Peak muss der Verteilnetzbetreiber im Regelfall nicht mehr vor Ort und technisch involviert sein. Netzbetreiber haben die Pflicht, auf Netzanschlussanfragen innerhalb eines Monats mit einer Liste spezifischer Informationen sowie einem Zeitplan zu reagieren. Geschieht dies nicht, darf der Anlagenbetreiber eigenständig anschließen. Somit werden lange Wartezeiten auf den Netzanschluss in Zukunft vermieden. 

Herausforderungen und Chancen von Mieterstrom

Trotz der zusätzlichen finanziellen Unterstützung für Anlagenbetreibende und attraktiver Konditionen für Mieterinnen und Mieter blieb die Mieterstromförderung bisher weit hinter den Erwartungen zurück. Grund sind unter anderem die komplexen Regelungen im Zusammenhang mit der Einrichtung von Mieterstrommodellen. Hier können aber erfahrene Dritte, wie beispielsweise Energiegenossenschaften oder professionelle Anbietende wie Stadtwerke weiterhelfen. Außerdem werden aufgrund des erheblichen Verwaltungsaufwands Mieterstrommodelle nur in großen Wohnanlagen umgesetzt. In seiner Eröffnungsbilanz Anfang 2022 hatte Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck angekündigt, im Solarbeschleunigungspaket die Bedingungen beim Mieterstrom deutlich zu verbessern. Mit dem EEG 2023 wurde der große bürokratische Aufwand für Mieterstrommodelle deutlich reduziert und weitere Verbesserungen geschaffen. Damit soll es zukünftig mehr Projekte geben, durch die sich auch Mieterinnen und Mieter mit Solarstrom versorgen können.

Jetzt von Mieterstrom profitieren

Weitere Informationen für Mietende zu Vertragslaufzeiten, Kündigungsfristen und Preiskonditionen von gefördertem Mieterstrom finden Sie hier.

Alles Wissenswerte über die Voraussetzungen für Vermieterinnen und Vermieter, um den Mieterstromzuschlag in Anspruch zu nehmen, finden Sie hier.

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