Strom vom Dach – Mieter gestalten die Energiewende

Lesezeit: 3 Minute

Mehr als 300.000 Photovoltaikanlagen sind auf Baden-Württembergs Dächern installiert (Quelle: Förderal Erneuerbar). Während sich Hauseigentümer damit bereits sehr aktiv an der Energiewende beteiligen, war es für Mieter lange nicht so einfach, von günstigem Solarstrom zu profitieren. Dies soll sich nun ändern. Sogenannte Mieterstrommodelle bieten großes Potenzial: Rund 3,8 Mio. Wohnungen in Deutschland könnten laut einer vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragten Studie mit Mieterstrom versorgt werden – und so die Energiewende in die Städte bringen (Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie). 

Doch was genau verbirgt sich hinter Mieterstrom? Was bietet das Mieterstromgesetz und wie hilft es dabei, Mieter an der Energiewende zu beteiligen?

Mieterstrom: So funktioniert’s! 

Die Idee hinter Mieterstrommodellen besteht schon länger: Strom wird z. B. mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach oder einem Blockheizkraftwerk im Gebäude erzeugt und direkt an die Hausbewohner geliefert. Dabei kann die Lieferung des Stroms entweder durch den Vermieter erfolgen oder – in der Praxis weitaus häufiger – von Stadtwerken oder anderen Dienstleistern übernommen werden. 

Hauseigener Strom – eine kostengünstigere Alternative?

Mieterstrom kann oftmals günstiger angeboten werden als regulärer Strom aus dem Stromnetz. Da das öffentliche Netz für die Lieferung des Mieterstroms nicht genutzt werden muss, entfallen Kostenbestandteile wie z. B. Netzentgelte. Aber auch Steuern und Umlagen fallen deutlich günstiger aus. 

Seit 2017: Förderung mit dem Mieterstromzuschlag möglich

Mieterstrom aus Solaranlagen kann seit 2017 unter bestimmten Voraussetzungen gesetzlich gefördert werden. Im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ist geregelt, dass Betreiber einer Solaranlage auf einem Wohngebäude den sogenannten Mieterstromzuschlag in Anspruch nehmen können. Das bedeutet: Zusätzlich zu dem Erlös aus dem verkauften Mieterstrom und der Einspeisevergütung für überschüssigen ins Netz eingespeisten Strom, erhält der Anlagenbetreiber den Mieterstromzuschlag als direkte Förderung auf den an die Verbraucher gelieferten Mieterstrom aus der Solaranlage

Mehrfamilienhäuser mit Photovoltaikanlagen auf dem Dach
Mieterstrommodelle machen Strom vom Hausdach für alle rentabel. // Copyright: Wircon1

Kostengünstiger Strom vom Dach: Auch die Mieter profitieren!

Endlich Gewissheit, woher der Saft aus der Steckdose kommt – Mieterstrommodelle machen grünen Strom für die Mieter transparent und rentabel. Denn um den Mieterstromzuschlag zu erhalten, sind Anlagenbetreiber verpflichtet, den Mieterstrom mindestens 10 % günstiger anzubieten, als er in der Grundversorgung kostet. 

Solarstrom auch bei schlechtem Wetter? 

Produziert die Solaranlage auf dem Mietshaus nicht ausreichend Strom, um alle Mieter mit Mieterstrom zu versorgen, wird der zusätzliche Strom aus dem Netz bezogen. Um die Bereitstellung kümmert sich der Anlagenbetreiber. Für den Mieter entsteht somit kein zusätzlicher Aufwand. 

Alles kann. Nichts muss. Möchten Mieter keinen Mieterstrom beziehen, können sie das Angebot ablehnen, ohne dass ihnen daraus Nachteile entstehen. Das Koppeln von Mieterstrom an den Mietvertrag ist deshalb untersagt. Weitere Informationen für Mieter zu Vertragslaufzeiten, Kündigungsfristen und Preiskonditionen von gefördertem Mieterstrom finden Sie hier.

Herausforderungen und Hemmnisse

Trotz der zusätzlichen finanziellen Unterstützung für Anlagenbetreiber und attraktiver Konditionen für Mieter bleibt die Mieterstromförderung bisher weit hinter den Erwartungen zurück. Grund sind u. a. die komplexen Regelungen im Zusammenhang mit der Einrichtung von Mieterstrommodellen. Hier können aber erfahrene Dritte, wie z. B.  Energiegenossenschaften oder professionelle Anbieter wie Stadtwerke weiterhelfen. Laut Bundesnetzagentur wurden bundesweit bisher rund 140 mit dem Mieterstromzuschlag geförderte Anlagen registriert. Mit einer Gesamtleistung von 3,7 MW (Megawatt) wird die Förderung, die auf eine Gesamtleistung von 500 MW pro Jahr begrenzt wurde, bei Weitem nicht ausgeschöpft. 

Auch wenn Mieterstrommodelle viele Vorteile bieten, sehen Verbände der Energie- und Immobilienwirtschaft bislang noch Verbesserungspotenzial. So sollen steuerliche und bürokratische Hürden für die Anbieter von Mieterstrom zukünftig abgebaut, und diverse gesetzliche Verbesserungen vorgenommen werden. Vor allem die Erhebung der EEG-Umlage auf solaren Mieterstrom wird kritisch gesehen. Um Mieterstrommodelle auch für kleinere Mehrfamilienhäuser mit wenigen Mietparteien attraktiver zu machen, fordern Verbände die entsprechenden bürokratischen Hürden abzubauen.

Infografik zum Thema Mieterstrom

Mieterstrom: Schritt für Schritt erklärt

Unsere Grafik erklärt die wichtigsten Begriffe rund um das Thema Mieterstrom. Einfach durchklicken.

Infografik zeigt Haus mit Photovoltaikanlage

Mieterstrom

Der aus der Photovoltaikanlage gewonnene Strom wird den Mietern zur Verfügung gestellt, ohne dabei das öffentliche Versorgungsnetz zu nutzen.

Infografik zeigt Haus mit Photovoltaikanlage, welches mit einem Lichtschalter verbunden ist

Anlagenbetreiber

Der Anlagenbetreiber betreibt die Photovoltaikanlage und liefert den Strom an die Mieter. Beim Anlagenbetreiber kann es sich zum Beispiel um den Hauseigentümer, eine Wohnungsgenossenschaft oder einen Energiedienstleister handeln.

Infografik zeigt Haus mit Photovoltaikanlage, Lichtschalter und Schreibtisch

Mieterstromvertrag

Der Anlagenbetreiber und die Nutzer des Mieterstroms schließen einen Vertrag über die Stromlieferung ab. Dabei darf der Mieterstromvertrag nicht an den Mietvertrag gekoppelt sein.

Infografik zeigt Schreibtisch mit Büroarbeiter, der mit einem Vertrag mit einem Aktenkoffer mit einem Blitz verbunden ist

Überschusseinspeisung

Von den Mietern nicht benötigte Überschüsse können gespeichert oder in das öffentliche Netz eingespeist werden.

Infografik zeigt Schreibtisch mit Büromitarbeiter, der mit einer Photovoltaikanlage verbunden ist

Zusatzstromvertrag

Reicht der lokal produzierte Mieterstrom nicht aus, um den Bedarf der Mieter zu decken, kauft der Anlagenbetreiber Zusatzstrom ein. Dafür schließt er mit einem Stromhändler einen Zusatzstromvertrag ab.

Infografik zeigt Strommast

Strompreis

Die Mieter zahlen den Strompreis für die gesamte Stromlieferung, d.h. Mieterstrom aus der Photovoltaikanlage sowie Zusatzstrom aus dem Netz, an den Anlagenbetreiber. Dabei darf der Strompreis für den gelieferten Mieterstrom maximal 90 % des Grundversorgungstarifs betragen.

Infografik zeigt wie Geld vom Schreibtisch zum Strommast fließt

Verteilnetzbetreiber

Der Verteilnetzbetreiber betreibt das allgemeine Versorgungsnetz, an das die Photovoltaikanlage im Niederspannungsbereich angeschlossen ist.

Infografik zeigt Lichtschalter

Einspeisevergütung

Der Verteilnetzbetreiber zahlt dem Anlagenbetreiber die Einspeisevergütung für den von ihm ins öffentliche Netz eingespeisten Überschussstrom.

Infografik zeigt Lichtschalter von dem Geld zum Schreibtisch fließt

Mieterstromzuschlag

Der Verteilnetzbetreiber zahlt dem Anlagenbetreiber außerdem den Mieterstromzuschlag für den von ihm an die Endverbraucher gelieferten Mieterstrom.

Infografik zeigt wie Geld vom Lichtschalter zum Schreibtisch fließt

Übertragungsnetzbetreiber

Der Übertragungsnetzbetreiber betreibt die Infrastruktur der überregionalen Höchstspannungsnetze.

Infografik zeigt Geld, das vom Haus mit Photovoltaikanlage zum Schreibtisch fließt

EEG-Umlage

Der Anlagenbetreiber zahlt dem Übertragungsnetzbetreiber die EEG-Umlage für die gesamte Stromlieferung.

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