Hintergrund: Einführung intelligenter Messsysteme

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Der Einsatz erneuerbarer Energien im deutschen Stromnetz wächst, gleichzeitig erfolgt die Energieerzeugung immer dezentraler. Daher bedarf es auch eines modernen Stromnetzes, das eine effiziente Nutzung der erzeugten Energie ermöglicht. Grundstein hierfür sollen intelligente Messsysteme werden. Diese werden seit Frühjahr 2020 installiert. Aber was ändert sich für alle Verbraucherinnen und Verbraucher und warum werden die neuen Geräte für die Energiewende benötigt?

Die Energieversorgung verändert sich: Zukünftig wird mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen seinen Weg ins Netz finden. Immer mehr Haushalte setzen auf die private Stromerzeugung bspw. durch Photovoltaikanlagen. Gleichzeitig werden jedoch auch die Wege der Energieübertragung im Netz länger, da bspw. der verbrauchsintensive Südwesten v. a. auf erneuerbare Energiequellen aus dem Norden angewiesen ist. Kurzum: Die Anforderungen an den Netzbetrieb steigen. Trotz Erzeugungs-Mix und schwankender Energieeinspeisung muss die Stromversorgung aber weiterhin stabil und sicher bleiben. 

Eine verbesserte Kommunikation zwischen allen Beteiligten soll den Netzbetreibern hierbei helfen. Bisher treffen diese nur Annahmen über Verbrauch und Lastverteilung. Damit wird es aber in Zukunft schwierig, das Netz sicher zu betreiben. Mit einer genaueren Messung von Einspeisung und Nachfrage sollen die Netzbetreiber besser planen, steuern und reagieren können. Z. B., wenn zukünftig viele Menschen ihr E-Auto gleichzeitig am Abend laden. 

Ziel ist die Schaffung intelligenter Stromnetze (Smart Grids), die alle Akteure des Energiesystems miteinander verbinden, damit die Netzbetreiber diese übergreifend aufeinander abstimmen können. Die Bundesregierung hat 2016 daher das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende verabschiedet, welches auch den Tausch des analogen Stromzählers zu einem digitalen System regelt. Von dem Wechsel sind grundsätzlich alle betroffen, doch je nach Verbrauch werden unterschiedliche Geräte installiert.

Die einsehbaren Verbrauchswerte sollen mehr Transparenz bieten und Einsparpotentiale aufzeigen.

Für alle verpflichtend: moderne Messeinrichtung

In allen Haushalten mit einem Verbrauch von unter 6.000 KWh (Kilowattstunden) müssen bis 2032 analoge Stromzähler durch moderne Messeinrichtungen, auch digitale Stromzähler genannt, ersetzt werden. Mit dem neuen Zähler kann der tatsächliche Stromverbrauch in einem bestimmten Zeitraum abgelesen werden. Die Geräte speichern Verbrauchswerte bis zu 24 Monate. Sie kommunizieren diese Werte aber nicht nach außen.

Intelligentes Messsystem bei höherem Verbrauch oder Erzeugung

Erst ab einem Verbrauch von 6.000 KWh oder bei einer Erzeugungsleistung von 7 KW (Kilowatt) wird ein intelligentes Messsystem (iMS) installiert. Dieses wird auch als Smart Meter bezeichnet. Ein intelligentes Messsystem enthält neben dem digitalen Stromzähler eine zusätzliche Komponente: das Smart-Meter-Gateway. Ein Smart-Meter-Gateway ist eine Kommunikationseinheit, welche die Zählerdaten zu Stromverbrauch und -erzeugung an Energielieferanten und Netzbetreiber weiterleitet. 

Die Netzbetreiber sollen so z. B. die Ist-Einspeisung von Erzeugungsanlagen jederzeit abrufen und die Einspeiseleistung ferngesteuert regulieren können. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurden dazu klare Regelungen getroffen: Alle neuen EEG-Anlagen mit einer Größe zwischen 7 KW und 25 KW, die hinter einem Netzanschluss betrieben werden sowie Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen ab einer Leistung von mehr als 25 KW sind ebenfalls mit einem iMS auszustatten.

Tabellarische Übersicht Moderne Messeinrichtung
Copyright/Quelle: BNetzA

Besserer Einblick in Verbrauch

Die einsehbaren Daten sollen Verbraucherinnen und Verbrauchern mehr Transparenz bieten und Einsparpotentiale aufzeigen. Eine alljährliche Ablesung vor Ort wird zudem überflüssig, abgerechnet wird nur noch nach tatsächlichem Verbrauch. Tarife sollen dadurch flexibler werden, Vor- und Nachzahlungen an den Stromanbieter bald nicht mehr nötig sein. Das Netz soll durch die genaueren Daten besser ausgelastet sein und Kosten für den Netzausbau können eingespart werden.

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