Neue Netze braucht das Land

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Im Zeitalter erneuerbarer Energien müssen nicht nur konventionelle Kraftwerke und Speicher die Versorgungssicherheit gewährleisten, sondern auch neue Stromnetze. Wir erklären, warum und welche Leitungen nötig werden.

Früher wurde Strom dort produziert, wo er gebraucht wurde

Unser bisheriges Energiesystem entstand zur Zeit der Industrialisierung: Fossile Großkraftwerke wurden in der Nähe von oder direkt in Ballungszentren gebaut – also da, wo am meisten Strom verbraucht wurde, wie beispielsweise im Ruhrgebiet. Kohlekraftwerke wurden an Flüssen gebaut. Beides hatte wirtschaftliche Gründe: Kurze Wege bedeuten geringe Transportkosten, und auf Flüssen lässt sich Kohle verhältnismäßig günstig und in großen Mengen zu den Kraftwerken transportieren.

Heute muss Strom von Nord nach Süd fließen

Fossile Großkraftwerke können immer Strom produzieren, insbesondere dann, wenn er am meisten benötigt wird („Lastspitzen"). Strom aus erneuerbaren Energien hingegen fluktuiert: Wenn der Wind weht, wird Strom produziert – ob der Bedarf da ist oder nicht. Das führt beispielsweise dazu, dass zu besonders windreichen Zeiten, wenn gleichzeitig wenig Strom vor Ort abgenommen werden kann, der von Windkraftanlagen erzeugte Strom die Netzkapazitäten überfordert. Dann ist das notwendige Gleichgewicht zwischen Einspeisung (Erzeugung) und Ausspeisung (Verbrauch) in Gefahr – und damit die Versorgungssicherheit. Derzeit fehlen notwendige Kapazitäten der Übertragungsnetze, die den Strom bei starkem Wind und geringem Verbrauch im Norden und Osten in ausreichendem Umfang in die wirtschaftlichen Ballungszentren im Süden und im Westen bringen.

Bedarf auf allen Ebenen – und über Grenzen hinaus

Ausbaubedarf besteht auf allen Netzebenen. Die Übertragungsnetze der vier Betreiber 50Hertz Transmission, Amprion, Tennet TSO und TransnetBW (für Baden-Württemberg) transportieren den Strom mit der Höchstspannung von 220 bis 380 kV (Kilovolt) über weite Strecken zu den Verbrauchsschwerpunkten. Die Verteilnetzebene mit Hoch-, Mittel- und Niederspannungsebenen gehört bundesweit rund 890 Netzbetreibern, davon rund 125 in Baden-Württemberg (Stand 05/2018). Sie verteilen den Strom immer feingliedriger bis zum Endverbraucher.

Und nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa soll der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung steigen – bis zum Jahr 2020 auf 20 %. Entsprechend müssen die Netze grenzüberschreitend miteinander verknüpft werden, um die Energieversorgung gesamteuropäisch zu sichern. 

Um die Energieversorgung in ganz Europa zu sichern, müssen die Netze grenzüberschreitend verknüpft werden.

Was, wo, wie viele – die Netzentwicklung

Wo, welche und wie viele Übertragungsnetze aus- und neugebaut werden, wird in einem zeitaufwändigen Planungsverfahren in mehreren Schritten unter Mitwirkung der Bevölkerung festgelegt. Das Ergebnis dieses Verfahrens ist der Netzentwicklungsplan, der die Optimierungs-, Verstärkungs- und Ausbaumaßnahmen der Übertragungsnetze für die nächsten zehn Jahre enthält und im zweijährigen Turnus fortgeschrieben wird.

Wo, welche und wie viele Leitungen gebaut werden, legt der Netzentwicklungsplan fest.

Der Netzentwicklungsplan ist Grundlage für das Bundesbedarfsplangesetz. Das Gesetz umfasst 43 energiewirtschaftlich notwendige Leitungsbauvorhaben, sieben davon zum Teil landesübergreifend in Baden-Württemberg. Sie bilden gemeinsam die Trassenkorridore, in denen die Leitungen einmal verlaufen sollen.

Länderübergreifende Trassen werden dabei in der sogenannten Bundesfachplanung durch die Bundesnetzagentur genehmigt. Für Projekte innerhalb Baden-Württembergs findet ein Raumordnungsverfahren mit anschließendem Planfeststellungsverfahren bei den Regierungspräsidien statt.

Der Ausbau und die Weiterentwicklung der Verteilnetze zu intelligenten Netzen spielen eine wichtige Rolle für die Versorgungssicherheit im Land. Zur Integration des aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms sind die Netze auch auf den Nieder-, Mittel- und Hochspannungsebenen auszubauen. Nur so ist es möglich, die zukünftig weiter steigende Strommenge aus dezentralen Erzeugungsanlagen aufzunehmen.

Einen Überblick über den Ausbaubedarf der baden-württembergischen Verteilnetze gibt die vom Umweltministerium in Auftrag gegebene Verteilnetzstudie (Stand 04/2017).

Das plant Baden-Württemberg

Wo, welche und wie viele Übertragungs- und Verteilnetze in Baden-Württemberg geplant sind, können Sie den folgenden Grafiken entnehmen. Mit einem Klick in der Grafik auf das jeweilige Netzausbauvorhaben gelangen Sie auf die Seiten der Vorhabenträger. Dort stehen Ihnen weitere Informationen zur Verfügung.
Zu den Grafiken:
Vorhaben im Übertragungsnetz in Deutschland
Vorhaben in Baden-Württemberg
Verteilnetzausbauplanung der Netze BW GmbH

So können Sie sich beteiligen

Die Umsetzung der Energiewende und der damit verbundene Ausbau der Stromnetze ist ein gesamtgesellschaftliches Projekt. Sie kann nur gelingen, wenn Politik, Wirtschaft, Verbände, Kommunen sowie Bürgerinnen und Bürger sich gemeinsam einbringen. Deshalb spielt eine umfassende und frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit eine zentrale Rolle. Möglichkeiten, sich zu beteiligen, gibt es dabei sowohl bei der Ausbaubedarfsermittlung im Rahmen der Netzentwicklungsplanung als auch im Genehmigungsprozess: auf Bundesebene im Rahmen der Bundesfachplanung, im Genehmigungsverfahren der Länder bei der Raumordnung und Planfeststellung. Darüber hinaus sucht das Land den intensiven Dialog mit den Kommunen und Kreisen, den Verbänden, den Netzbetreibern und der Öffentlichkeit bei konkreten Leitungsausbaumaßnahmen wie z. B. im Rahmen der geplanten SuedLink-Trasse. Auf den Seiten des Umweltministeriums finden Sie ausführliche Informationen zu diesem abgeschlossenen informellen SuedLink-Dialog, bei dem seit März 2015 fünf Fachdialoge, eine Fachkonferenz sowie fünf Bürgerdialoge stattfanden.

Weitere Informationen zum Netzausbau finden Sie auf der Seite der Bundesnetzagentur.

Auch intelligentes Lastmanagement wird eine entscheidende Rolle dabei spielen, den Stromverbrauch und die fluktuierende Produktion aus erneuerbaren Energien in Einklang zu bringen. Lesen Sie mehr dazu hier.

Netzebenen

Grafik einer Übertragungsnetzes

Unser Stromnetz hat verschiedene Ebenen: Zunächst das Übertragungsnetz (Höchstspannung) ...

Grafische Darstellung des überregionalen Verteilernetzes

... das überregionale Verteilnetz (Hochspannungsebene) ...

Grafische Darstellung des regionalen Verteilernetzes

... das regionale Verteilnetz (Mittelspannung) ...

Grafische Darstellung eines lokalen Verteilernetzes

... und das lokale Verteilnetz (Niederspannung), das den Strom bis zum Endverbraucher transportiert.

Grafische Darstellung aller Verteilernetze

Hier sehen Sie alle Netzebenen im Überblick.

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