EEG 2021: Was ändert sich für wen?

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Kurz vor Jahreswechsel hat der Bundestag die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes verabschiedet. Ohne dieses „EEG 2021“ wäre eine Vielzahl von Altanlagen am 31. Dezember 2020 nach 20 Jahren aus der Förderung gefallen. Was bringt die Novelle für den Ausbau der Erneuerbaren in Baden-Württemberg? Und was können Anlagenbetreibende tun, deren EEG-Förderung ausgelaufen ist?

Solaranlage auf einem Feld
Das neue EEG setzt auch Ausbaupfade für verschiedene Technologien fest. Die Kapazität von Solaranlagen soll sich bis 2030 nahezu verdoppeln.

Photovoltaik: „Ü20-Anlagen“ weiterbetreiben und mehr Platz für Freiflächen-PV

Das novellierte EEG setzt jetzt auch Ausbaupfade für die verschiedenen Technologien bis zum Jahr 2030 fest. So soll sich die Kapazität von Solaranlagen bis 2030 nahezu verdoppeln. Auch der Weiterbetrieb „ausgeförderter“ Solaranlagen ist mit der Novelle weiterhin möglich. 

Allein in Baden-Württemberg ist zum 1. Januar 2021 die Förderung für 2.300 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 11 MWp (Megawatt Peak) ausgelaufen. Für diese sogenannten Ü20-Anlagen regelt das neue EEG den Weiterbetrieb: So kann der erzeugte Strom weiter ins Netz eingespeist werden, die Vergütung entspricht dem „Solaren Marktwert“. Das gilt für Anlagen bis 100 KW (Kilowatt) und ist befristet bis Ende 2027.

Auch das Umrüsten alter Anlagen auf Eigenversorgung ist möglich. Der Überschuss kann dann ins Stromnetz eingespeist werden. Dafür wurde nun auch das EEG angepasst: Die Grenze der Umlagenbefreiung bei Eigenverbrauch wurde für Bestands- als auch Neunanlagen angehoben. Statt wie bisher 10 KW wird nun bis 30 KW Eigenversorgung keine EEG-Umlage fällig, sofern der Verbrauch 30 MWh (Megawattstunden) pro Jahr nicht überschreitet. Die Befreiung ist zeitlich unbefristet. „Funktionierende Ü20-Photovoltaikanlagen weiterzutreiben, ist aus volkswirtschaftlicher und ökologischer Sicht sinnvoll“, so Thomas Uhland vom Solarcluster Baden-Württemberg. Als zentrale Stelle der Photovoltaik-Netzwerke hat das Solar Cluster gemeinsam mit dem Umweltministerium Baden-Württemberg das Faktenpapier für Betreiberinnen und Betreiber von Photovoltaikanlagen aktualisiert.

Für Freiflächenanlagen gibt es ebenfalls Neuerungen: Diese dürfen nun bis zu 20 MWp groß sein. Dafür steht an den Seitenrändern von Autobahnen und Schienenwegen jetzt ein 200 m breiter Korridor zur Verfügung – bisher waren es 110 m. Ein 15 m breiter Streifen längs der Fahrbahn muss aber aus Naturschutzgründen freigehalten werden.

Verbraucher: EEG-Umlage sinkt

Bisher haben die Stromkunden die Förderung von Ökostrom komplett finanziert: Seit 2000 zahlen Verbraucherinnen und Verbraucher die EEG-Umlage als Teil des Strompreises. Von anfänglich 0,19 ct/KWh ist die Umlage auf zuletzt 6,756 ct/KWh im Jahr 2020 gestiegen und machte so fast ein Viertel der Stromkosten aus. Durch den CO₂-Preis und einen Bundeszuschuss ist die EEG-Umlage für 2021 auf 6,5 ct/KWh gedeckelt, für 2021 sieht die EEG-Novelle vor, dass die Umlage auf 6 ct/KWh weiter sinkt.

Viele Stromanbieter haben den Anstieg der EEG-Umlage in der Vergangenheit direkt an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben und zum Jahreswechsel die Strompreise erhöht. Ob das Sinken der Umlage zu niedrigeren Preisen führt, wird sich zeigen. Generell kann es sich für Verbraucherinnen und Verbraucher lohnen, den Stromanbieter häufiger zu wechseln. Worauf es dabei zu achten gilt und was neben dem Preis wichtig ist, hat die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auf ihrer Seite zusammengestellt: Warum sollten Sie den Gas- oder Stromanbieter wechseln?

Energieintensive Unternehmen: reduzierte EEG-Umlage

Besondere Regeln gelten im EEG für stromkostenintensive Unternehmen: Diese „Besondere Ausgleichsregelung“ (BesAR) sieht vor, dass Unternehmen mit einem hohen Stromverbrauch nur eine reduzierte EEG-Umlage zahlen müssen. Das gilt vor allem für Unternehmen mit hohen Stromkosten aus Branchen, die im internationalen Wettbewerb stehen. Die vergleichsweise hohen Strompreise sollen die Wettbewerbsfähigkeit und damit Arbeitsplätze nicht gefährden.

Die Details zur BesAR finden sich im EEG 2021 ab Paragraf 63. Im Vergleich zur alten Version gibt es einige Verbesserungen für Unternehmen. So werden die unterschiedlichen Begrenzungen auf 15 % oder 20 % der vollen EEG-Umlage vereinheitlicht. Mehr Informationen dazu finden Sie auf dieser Seite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Unternehmen, die die BesAR für sich in Anspruch nehmen wollen, müssen einen Antrag beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle stellen. Bisher war dafür sowohl ein Wirtschaftsprüfertestat als auch ein gültiges Energiezertifikat notwendig. Mit dem EEG 2021 wir der Antrag einfacher: Das Energiezertifikat muss nicht mehr beigefügt werden.

Kommunen: Ausschreibungspflicht ab 750 kWp (Kilowatt Peak)

Auch Städte und Gemeinden können weiter von klimafreundlichem und günstigem Strom aus Wind- und vor allem Sonnenenergie profitieren und dabei zu wichtigen Akteuren der Energiewende werden. Vielfältige Handlungsoptionen und Beispiele aus der Praxis zeigt das Photovoltaik-Netzwerk Baden-Württemberg in seiner Broschüre „Photovoltaik in Kommunen“. 

Für neue Anlagen ist bei einer Leistung von über 750 kWp jetzt eine Ausschreibung vorgeschrieben. Dachanlagen zwischen 300 und 750 kWp können in die Ausschreibung, dann ist Eigenverbrauch jedoch nicht zulässig. Oder sie erhalten nur für 50 % der erzeugten Strommengen eine Vergütung, dann kann die restliche Strommenge eigenverbraucht oder außerhalb des EEG vermarktet werden.

Bei Windanlagen sollen die Gemeinden eine Beteiligung am Gewinn erhalten. 0,2 ct/KWh können die Betreiber an die berührten Kommunen zahlen. Das soll dabei helfen, Widerstände in der Bevölkerung abzubauen.

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