Wettbewerbsverzerrungen vermeiden – Strompreise entlasten

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Warum die aktuelle Preispolitik fossile Energieträger bevorzugt und Strom belastet 

Ob Stromsteuer oder EEG-Umlage: Strom wird gegenüber fossilen Kraft- und Heizstoffen finanziell stark belastet. Das setzt falsche Signale, und zwar ausgerechnet in einem Energiesystem, das den weitestgehenden Verzicht auf fossile Brennstoffe, die so genannte Dekarbonisierung, anstrebt. Daher sollten Steuern und Abgaben am jeweiligen CO₂-Gehalt der Kraft- und Heizstoffe ausgerichtet sein. Und nicht nur das: Die aktuelle Preisgestaltung behindert Investitionen in Energieeffizienz und Sektorkopplung, also die Verzahnung der Bereiche Strom, Wärme und Verkehr.

Solaranlagen auf einer grünen Wiese
Der Ausbau von Erneuerbaren schreitet in Baden-Württemberg voran. // Copyright: Shutterstock/manfredxy

Es sind beeindruckende Zahlen, die die Initiative „Agora Energiewende“ in ihrer im Jahr 2017 erschienenen Studie „Neue Preismodelle für Energie“ vorlegt. Die Studie analysiert das aktuelle Preisgefüge, um herauszufinden, wie wir Entgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen auf Strom und fossile Energieträger gestalten müssten, um die Energiewende weiter voranzubringen.

Die Berechnungen des Expertenteams bringen ein massives Missverhältnis zum Vorschein: Insgesamt wird eine Kilowattstunde (kWh) Strom derzeit mit rund 18,7 ct an Steuern, Abgaben, Umlagen und Entgelten belastet. Bei Benzin beträgt die umwelt- und klimaschutzbedingte Belastung rechnerisch weniger als die Hälfte, nämlich 7,3 ct/kWh. Diesel macht mit 4,7 ct/kWh Belastung durch die Ökosteuer gerade nur noch knapp ein gutes Viertel der Aufschläge auf den Stromverbrauch aus. Noch geringer ist dieser Wert mit 2,2 ct/kWh dann für Gas in privaten Haushalten, verschwindend gering steht Heizöl mit nur 0,6 ct/kWh Aufpreis am Ende der Skala.

Strom wird 30 Mal so stark belastet wie Heizöl

Verzerrte Preisgestaltung

Das „Agora“-Team hat noch eine zweite Methode benutzt, um Abgaben und Umlagen auf die verschiedenen Energieträger zu vergleichen: Sie hat die jeweiligen CO₂-Belastungen in den Blick genommen. Zwar gibt es in Deutschland keine explizite CO₂-Bepreisung, der Ökosteueranteil in Kraft- und Heizstoffen lässt aber schlüssige Vergleiche zu. Auch hier existiert eine ähnliche Verzerrung wie bei dem obigen Vergleich auf Basis des Energiegehalts: 

So schlägt der Stromverbrauch mit einer Belastung von 185 € pro Tonne CO₂ mit Abstand am höchsten zu Buche. Berücksichtigt werden hierbei die Stromsteuer, der Effekt des Zertifikatspreises im europäischen Emissionshandel sowie EEG- und KWK-Umlage. Wiederum finden sich die fossilen Kraftstoffe weit dahinter: Benzin mit 65 € je Tonne CO₂, Diesel mit 48 €/t CO₂. Bei den Heizstoffen ergeben sich sogar nur noch 20 €/t CO₂ als implizite CO₂-Belastung für Erdgas, Heizöl wird über die Ökosteuer mit gerade einmal 8 € je Tonne CO₂ belastet.

Falsche Signale und fehlende Lenkungswirkung

Der Strom – und das betrifft alle Stromverbraucher – ist im Nachteil. Elektrizität kann in einem Wettbewerb der Energieträger derzeit nicht bestehen. Solange Heizstoffe wie Öl und Gas vergleichsweise billig sind, rechnet sich eine energetische Gebäudesanierung in vielen Fällen nicht oder erst nach sehr langer Zeit. Und auch hinter der Elektromobilität steht noch ein Fragezeichen. Denn obwohl Elektromotoren um ein Vielfaches effizienter sind als Verbrennungsmotoren, erscheint der Kauf von Elektroautos im Vergleich zu Benzinern oder Dieselfahrzeugen finanziell immer noch nicht attraktiv.

Das alles ist umso widersinniger, wenn wir in Baden-Württemberg auf unsere Klima- und Energieziele blicken: Die Emissionen sollen bis 2050 gegenüber 1990 um 90 % zurückgehen. Bis 2016 haben wir gerade einmal 12 % geschafft. Während der Ausbau der Erneuerbaren erfolgreich voranschreitet – rund ein Viertel des Stroms in Baden-Württemberg stammt aus regenerativen Energieträgern –, fällt der Abschied von den fossilen Brennstoffen immer noch schwer. Obwohl schon heute feststeht, dass die Nutzung von Strom erheblich an Bedeutung gewinnen wird und obwohl es längst eine Reihe von Innovationen wie Smart Grids, Wärmestrom, Power-to-Gas-Verfahren gibt, steht die Energiewende in Sachen Preispolitik noch aus. Wie lange noch?

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