Mit Solarenergie zum nächsten Level

Die Energiewende erfordert in vielen Bereichen ein Umdenken. Damit lokal, deutschlandweit und international langfristig etwas bewirkt werden kann, gibt es zahlreiche Wege, die beschritten werden können. Einer davon ist die Energiegewinnung durch die Sonne. Erfahren Sie hier mehr zu den Grundlagen und Chancen der Photovoltaik-Technologie und lassen Sie sich von Erfolgsprojekten in Baden-Württemberg inspirieren.

Baden-Württemberg: von der Sonne verwöhnt

In Deutschland kann man durchschnittlich mit 1.600 Sonnenstunden pro Jahr rechnen. Und im südlich gelegenen Baden-Württemberg sieht es im Vergleich zu anderen Bundesländern sogar noch sonniger aus. Beste Voraussetzungen also, um jede Menge umweltfreundliche Solarenergie zu erzeugen. 

Faktencheck: Solarthermie vs. Photovoltaik

Sonnenenergie wird durch Solaranlagen entweder in elektrische Energie oder in Wärmeenergie umgewandelt. Diese Form der Energiegewinnung wird als regenerativ bezeichnet und gilt als besonders umweltschonend. Doch was genau ist der Unterschied zwischen Solarthermie und Photovoltaik? Hier nochmal das Wichtigste im Überblick.

Solarthermie

Eine Solarthermieanlage produziert Wärmeenergie. Diese kann zur Warmwasserbereitung oder zur Heizungsunterstützung verwendet werden. Zur Umwandlung von Sonnenenergie in Wärme dienen solarthermische Kollektoren, welche zumeist auf dem Hausdach installiert werden. In diesen wird durch die Sonne eine Wärmeträgerflüssigkeit erhitzt, welche zum Warmwasserspeicher der Heizungsanlage gepumpt wird und dort über einen Wärmetauscher das Brauchwasser und ggf. auch das Heizungswasser erwärmt. Aus dem Speicher wird dann das erwärmte Brauchwasser für den Haushalt entnommen – bei sogenannten Kombianlagen wird daraus während der Heizperiode auch die Gebäudeheizung unterstützt. In der Regel ist eine Solarthermieanlage v. a. für den Eigengebrauch vor Ort geeignet. In Verbindung mit Nahwärmenetzen können aus großen Solarthermieanlagen auch entfernt gelegene Wärmeabnehmer versorgt werden.

Photovoltaik

Solarstrahlung lässt sich mit Hilfe von Solarzellen in elektrischen Strom umwandeln. Sobald Licht auf Solarzellen fällt, erzeugen diese daraus Gleichstrom. Die einzelnen Solarzellen sind elektrisch miteinander verbunden zu größeren Solarmodulen. Diese Verbindung wird auch Verschaltung genannt. Die Solarmodule sind wiederum zu einem Solargenerator zusammengeschaltet, der zumeist auf einem Hausdach installiert ist. 
Der so gewonnene Strom lässt sich optimal für den Eigenbedarf einsetzen, wie etwa zum Betrieb von Elektro- und Haushaltsgeräten. Er kann aber auch gegen Vergütung ins öffentliche Netz eingespeist werden. In diesem Fall muss die Anlage mit dem Elektrizitätsnetz gekoppelt werden. Ein zur Netzeinspeisung geeigneter Wechselrichter wandelt dann den Gleichstrom in Wechselstrom und speist ihn per Stromzähler ins öffentliche Netz ein.

Nach etwa drei Jahren haben Photovoltaikanlagen die Energie produziert, die für ihre Herstellung aufgewendet wurde – entsprechend ein Mehrfaches an Energie erzeugen sie im Laufe ihrer Betriebsdauer von 25 bis 30 Jahren.

Auf geht’s: die Solaroffensive im Ländle

Die Landesregierung von Baden-Württemberg verfolgt das Ziel, die Nutzung der Sonnenenergie weiter voranzubringen. Mit Hilfe der „Solaroffensive“ sollen Barrieren abgebaut und die Photovoltaik-Leistung nachhaltig ausgebaut werden. Dabei wird neben Dachanlagen auch auf Freiflächen-Anlagen auf Wiesen und Feldern, schwimmenden Anlagen auf Baggerseen und Agro-Photovoltaik im landwirtschaftlichen Sonderkulturanbau gesetzt.

Solarpower: Wer ist dabei? 

Ob Kommunen, Privathaushalte, Einrichtungen, Vereine oder Unternehmen – Sonnenenergie produzieren können fast alle.

Und es lohnt sich. In aller erster Linie für unsere Umwelt. Denn so viel steht fest: Grüner Strom verdrängt erfolgreich den Atom- und Kohlestrom. Das beschleunigt die Energiewende und ist damit auch ein konkretes Handeln gegen die Klimaerwärmung.

Für eine grünere Zukunft brauchen wir viel mehr Photovoltaik – aber wo ist der beste Platz für neue Anlagen? Dächer, Fassaden, landwirtschaftliche Flächen – es gibt zahlreiche Möglichkeiten. Nachfolgend stellen wir Ihnen drei inspirierende Beispiele in Baden-Württemberg vor.

Schönau – die „Solarhauptstadt“ Deutschlands

Die Stadt Schönau im Schwarzwald hat im Stromsektor ein Zeichen gesetzt – so wurde hier z. B. die evangelische Bergkirche, als erstes Denkmal im Land, mit einer Solaranlage ausgestattet. Mehr über die erfolgreiche Kommune Schönau finden Sie hier

Uhlandschule – ein Stuttgarter Vorzeige-Bau

Die Uhlandschule ist nicht nur energieneutral, sie produziert sogar mehr Energie als sie verbraucht und speist ihren Stromüberschuss ins Netz ein. Sie ist eine von acht bisher realisierten Plusenergieschulen in Deutschland. Was die Vorzeigeschule in puncto nachhaltige Energieversorgung noch zu bieten hat, das erfahren Sie hier.

Solaranlagen auf Dach der Uhlandschule
Hier wird mit Plus gerechnet: Die Uhlandschule in Stuttgart-Rot.

Kieswerk Ossola – größte schwimmende Photovoltaikanlage Deutschlands

2.304 Photovoltaikmodule sind im Baggersee Maiwald auf schwimmenden Pontons installiert. Zwei Drittel von dem hier produzierten Strom nutzt Armin Ossola für sein Kieswerk – das andere Drittel, das z. B. an den Wochenenden produziert wird, kommt ins öffentliche Netz. Alles zu diesem besonderen Projekt lesen Sie hier.

Kieswerk Ossola – größte schwimmende Photovoltaikanlage Deutschlands
Die schwimmende Solaranlage ist für Wartungsarbeiten begehbar.

Ein Blick auf die Zahlen

Wappen Baden-Württemberg auf grünem Hintergrund

Wie hoch die Photovoltaikeinspeisung ins Stromnetz zur aktuellen Stunde in Baden-Württemberg ist, das können Sie hier sehen.

Zukunftsaussichten: sonnig und optimistisch

Franz Pöter, Geschäftsführer von Solar Cluster Baden-Württemberg betrachtet vor allem die Photovoltaik-Entwicklung im Ländle und betont: „Jede Photovoltaikanlage ist praktizierter Klimaschutz. […] Für eine einfachere Umsetzung kann Baden-Württemberg auf Bundesebene Initiativen – etwa zur Ausweitung des Korridors entlang von Autobahnen oder zur Vereinfachung beim Mieterstrom starten. Positiv ist zudem die von der Landesregierung beabsichtigte Einführung einer Solardachpflicht, die für Wohn- und Nichtwohngebäude gelten muss.“ Wie lukrativ Investitionen in Photovoltaikanlagen sind und wie Pöter die Aussichten der Solarbranche einschätzt, können Sie hier nachlesen.

Auch Dr. Stefan Reber, Mitbegründer und SEO von Nexwafe, sieht einer nachhaltigen Energiezukunft mit Fokus auf Photovoltaik positiv entgegen und stellt heraus: „Photovoltaik ist ein gigantischer Markt und eine gigantische Chance für die Menschheit. […] Wir Gründer sind alle überzeugt, dass wir etwas für unsere Umwelt tun müssen. Solarstrom günstiger zu machen und daran mitzuwirken, dass wir die Welt mit umweltfreundlicher Energie versorgen können, ist ein ganz starker Treiber unseres Unternehmens.“ Welche Ideen und Pläne das junge Freiburger Start-up noch verfolgt, finden Sie hier

Ähnlich wie die Jungunternehmer beschreibt auch Experte Prof. Dr.-Ing. Frithjof Staiß vom Forschungsinstitut ZSW die Zukunft der Photovoltaik. Er meint: „Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Beschlüsse zu ambitionierteren Klimaschutzzielen auf europäischer Ebene geben die mit dem Klimaschutzgesetz (KSG) beschlossenen Maßnahmen wichtige Impulse für den Fortschritt der Energiewende im Land. […] Die solare Baupflicht unterstützt den Ausbaufortschritt bei der Solarstromerzeugung. […] Ich bin optimistisch: Ich glaube, dass wir in zehn Jahren erfolgreicher im Klimaschutz sein werden, als wir es heute vielleicht erwarten.“ Mehr zu Prof. Dr.-Ing. Staiß und seiner Forschung rund um die Energiewende finden Sie in unserem Interview. 

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