Regional, klimaneutral und unabhängig – mehr Tempo bei der Energiewende

Die Bundesregierung will, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral wird. Baden-Württemberg will dieses Ziel für das Land schon 5 Jahre früher, also bereits 2040 erreichen. Das bedeutet eine große Kraftanstrengung sowohl für unser Bundesland als auch für Deutschland insgesamt. Denn es heißt, innerhalb der nächsten Jahre den Ausstoß von klimaschädigenden Treibhausgasen – allen voran von CO-Emissionen – massiv zu reduzieren. Das bedeutet wiederum eine Abkehr von fossilen Rohstoffen, wie Erdöl und Erdgas, bei deren Verbrennung Emissionen entstehen. Ebenso bedeutet es mehr Tempo bei der Energiewende und dem Ausbau erneuerbarer Energien. Dies macht uns auch unabhängiger von Energieimporten.  

Bauernhof von Oben. Dächer mit Photovoltaikanlagen und Biogasspeicher
Copyright: Umweltministerium / Björn Hänssler

Klimaschutzaktivitäten des Landes

„Baden-Württemberg ist als führender Industriestandort prädestiniert, diese Transformation massiv und schnell voranzutreiben. Umsetzen müssen wir es aber als ganze Gesellschaft. Die Aufgabe der Politik ist es, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu setzen. Eine gute Nachricht ist, dass wir die Technologien bereits besitzen, um dieses Ziel zu erreichen. Jetzt geht es darum, die Hindernisse aus dem Weg zu räumen und die Bausteine zusammenzusetzen, damit das System funktioniert.“ (Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg)

Mit dem Klimaschutzgesetz aus dem Jahr 2013 und dessen Anpassung im Jahr 2021 hat sich Baden-Württemberg ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt. Diese sind richtungsweisend für die Klimapolitik des Landes. Umgesetzt wurden sie über das 2014 von der Landesregierung beschlossene Integrierte Energie- und Klimaschutzkonzept (IEKK). Dieses beinhaltete Sektorziele sowie konkrete Strategien und Maßnahmen, die der Treibhausgasminderung dienen. 


Sektorziele sind Anforderungen, die beim Klimaschutz an einzelne Sektoren – wie Energie, Verkehr, Industrie, Gebäude, Landwirtschaft, Landnutzung, Abfall – gestellt werden. Die Unterteilung in Sektoren hilft dabei, gezielte Maßnahmen für die jeweiligen Bereiche zu identifizieren. So können Lösungen und Maßnahmen auf Zielgruppen hin ausgerichtet werden. Zudem erleichtert es die Aufgabenverteilung und das Zuteilen von Verantwortlichkeiten. Das erhöht die Flexibilität als Voraussetzung für die nötige Geschwindigkeit.

Dieses Ziel verfolgt die Landesregierung auch mit der Weiterentwicklung des Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzeptes (IEKK) zu einem Klima-Maßnahmen-Register (KMR). Hier erarbeiten die zuständigen Ministerien zukünftig Maßnahmen zum Erreichen der jeweiligen Sektorziele. Diese prüft ein Klima-Sachverständigenrat des Landes und das Kabinett. Das Klima-Maßnahmen-Register ist jederzeit erweiterbar, so dass künftig ein hohes Maß an Flexibilität und Dynamik bei der Einführung von Klimaschutzmaßnahmen besteht.

Bausteine einer erneuerbaren Energieversorgung

Warum die Energiewende im Land schnell passieren muss, liegt auf der Hand. Die aufziehende Klimakrise und die starke Abhängigkeit von Energieimporten, die durch Krieg und Gewalt belastet sind, fordern es ein. Dabei spricht noch viel mehr für den Ausbau erneuerbarer Energien. Denn die grüne Energie wird in vielen Fällen ortsnah – also lokal oder regional – erzeugt. Energie, die beispielsweise über eine Photovoltaik- oder eine Windkraftanlage erzeugt wird, kann entweder direkt vor Ort verbraucht oder ins lokale Stromnetz eingespeist werden. Sie kann über Energiespeicher ebenso zwischengespeichert oder über Power-to-X Verfahren in Gas, flüssige Kraftstoffe oder Wärme gewandelt werden. 
Ebenso können Heizungen ihre Wärme direkt aus erneuerbaren Energiequellen beziehen. Beispielsweise lässt sich Sonnenenergie mittels Solarthermie in thermische Energie, sprich Wärme, wandeln. Sie kann zum Heizen oder Warmwasserbereiten genutzt werden. Wärmepumpen nutzen Energie aus der Umgebungsluft, dem Grundwasser oder dem Erdreich als kostenlose Energiequelle, um Wärmeenergie zu erzeugen. 

Eine weitere lokal zur Verfügung stehende Energiequelle ist Abwärme. Sie kann als Nebenprodukt von Industrieprozessen direkt vor Ort zur Wärmeversorgung genutzt oder für eine regionale Wärmeversorgung über Fernwärmenetze dienen. Weitere Quellen für das Abwärme-Recycling sind beispielsweise Rechenzentren oder Müllverbrennungsanlagen.

Ebenso lässt sich Wärme mittels Biomasse erzeugen. Dabei handelt es sich um nachwachsende, organische Rohstoffe, die ebenfalls als Abfallprodukte aus Landwirtschaft und Industrieverarbeitung anfallen. Dazu gehören Dung, Holz- und Pflanzenreste, aber auch tierische Stoffe.

Wirtschaftliche Chancen einer regionalen erneuerbaren Energieversorgung

Die aus regenerativen Energiequellen erzeugte Energie kann somit vielfältig genutzt werden – für die Elektromobilität, die Wärme- und Kälteversorgung oder zur Weiterverarbeitung in chemische Energieträger. Damit bietet eine auf erneuerbaren Energieträgern beruhende regionale Energieversorgung der heimischen Wirtschaft vielfältige Chancen und trägt zur regionalen Wertschöpfung bei.

Doch anders als bei einer zentralen Energieversorgung aus großen Kraftwerksanlagen sind bei einer regionalen, auf Erneuerbaren basierenden Energieversorgung lokale Gegebenheiten zu berücksichtigen. Daher benötigt jede Region und im besten Fall jede Kommune ihr eigenes Energiekonzept sowie ihren eigenen kommunalen Wärmeplan. Mit diesen lassen sich erneuerbare Energiepotenziale erkennen und erschließen. 

Manche Kommunen verfügen über Wasserkraft als erneuerbare Energiequelle und können Pumpspeicherkraftwerke als Speicherlösung nutzen. In anderen Gemeinden tragen Geothermie oder Biomasse zur Energieversorgung bei oder das örtliche Klärwerk dient als Energielieferant zur Wärmeversorgung. All diese Optionen stärken Kommunen und unterstützen eine von Öl- und Erdgas-Importen unabhängigere Energieversorgung.

Treiber einer regionalen Energiewende

Nur wie lässt sich der Ausbau erneuerbarer Energien im Land und in den Kommunen beschleunigen? Hierfür braucht es die Menschen im Land, denn die regionale Energiewende ist Gemeinschaftsaufgabe. Sie braucht einerseits die Unterstützung und Akzeptanz sowie andererseits das aktive Engagement. Hierbei spielen nicht nur die Kommunen selbst, sondern die Bürgerinnen und Bürger wie auch kleine und mittelständische Unternehmen sowie die Energieversorger und Stadtwerke eine zentrale Rolle. 

Rolle der Kommunen bei der regionalen Energiewende

Auf kommunaler Ebene werden die Weichen einer regionalen  Energieversorgung gestellt. Kommunen – sprich Gemeinden, Städte und Landkreise – haben großen Einfluss auf die lokale und regionale Energieversorgung. Sie erarbeiten Klimaschutz- und Energiekonzepte sowie Konzepte zur kommunalen Wärmeplanung. 
Durch Verabschieden kommunaler Richtlinien tragen sie ebenfalls zum klimafreundlichen Handeln und Wirtschaften bei. Darüber hinaus können sie den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben, indem sie Bürgerenergieprojekte sowie Vereine und Initiativen unterstützen, ihre eigenen Verwaltungsgebäude auf eine erneuerbare, energiesparende Energieversorgung umzustellen, ihre Bürgerinnen und Bürger mit Informationen versorgen, Energieprojekte mit Beteiligungsmöglichkeiten initiieren und vieles mehr. Viele Förderprogramme von Land, Bund und EU richten sich an Kommunen, die sie bei der Umsetzung unterstützen. Auf kommunaler Ebene werden Klimaziele greifbar gemacht.

Rolle von Energieversorgern und Stadtwerken

Wer, wenn nicht die Energieversorger und Stadtwerke, sollten als lokale, regionale und überregionale Akteure die Energiewende in die Hand nehmen. Ihnen kommt beim Ausbau der erneuerbaren Energien ebenfalls eine Schlüsselrolle zu. Als Versorgungsunternehmen kümmern sie sich um die entsprechende Infrastruktur zur Erzeugung und Versorgung, aber auch Verteilung und Nutzung über Strom- und Wärmenetze. 

Stadtwerke und Energieversorger arbeiten in der Regel mit ihren Kommunen Hand in Hand. Gemeinsam mit weiteren Partnern können sie neue Projekte starten, die über die reine Strom-, Wärme- und Kälteversorgung hinausgehen. Mit Mieterstrom-Projekten verschaffen sie beispielsweise Bürgerinnen und Bürgern, die in Mehrfamilienhäusern leben, Zugang zu Solarstrom. Durch den Ausbau öffentlicher Ladepunkte erleichtern sie den Umstieg auf Elektromobilität. Über Smart City Projekte sorgen sie für eine Vernetzung von Städten und Gemeinden. Viele Möglichkeiten stehen Energieversorgern und Stadtwerken offen. Mit diesen können sie neue Geschäftsfelder erschließen und gleichzeitig zum Erreichen der Klimaschutzziele beitragen. Sie sind somit ein starker Umsetzungspartner für das Beschleunigen der regionalen Energiewende.

Rolle der Bürgerenergie und Energiegenossenschaften

Ohne die zahlreichen Bürgerenergie-Projekte in Baden-Württemberg ist ein beschleunigter Ausbau nicht möglich. Sie sind ebenfalls wichtige Treiber einer erneuerbaren Energieversorgung im Land. Zahlreiche Vereine und Initiativen unterstützen den Ausbau und die Arbeit der Kommunen, indem sie eigene Energieprojekte anstoßen, Öffentlichkeitsarbeit betreiben oder Einfluss auf die Kommunalpolitik nehmen. Nicht selten gehen aus solchen Initiativen Energiegenossenschaften hervor. 

Allein in Baden-Württemberg sind es rund 150 Energiegenossenschaften, an denen sich 46.378 Einzelmitglieder (Stichtag 31.12.21) beteiligen. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg unterstützt Bürgerenergie-Projekte und Energiegenossenschaften. 

Eine Broschüre zum Thema „Energiegenossenschaften: Erfolgsbeispiele aus Baden-Württemberg“ finden Sie hier zum Download.

Rolle der gewerblichen Energie

Kleine und mittlere Unternehmen und Gewerbebetriebe können ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zum beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien leisten. Den Unternehmen bietet eine lokale, erneuerbare Energieversorgung wirtschaftliche Chancen. So lässt sich beispielsweise mit einer eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach, einem Gewerbespeicher und einer E-Mobilitätsflotte der Eigenverbrauch steigern sowie langfristig Energiekosten senken. 

Der tagsüber erzeugte Strom kann direkt verbraucht oder ins lokale Stromnetz eingespeist werden und zur Versorgung der gesamten Kommune beitragen. Eine Investition in eine Photovoltaikanlage lohnt sich auch als nachhaltiges Anlagegut. Bund und Land unterstützen Unternehmen gezielt mit Förderprogrammen

Unternehmen und Gewerbebetriebe, die ihre Klimaschutzaktivitäten noch stärker ausbauen wollen, erhalten über das Klimabündnis Baden-Württemberg Unterstützung. Hierbei handelt es sich um eine freiwillige Partnerschaft, bei der die Partner eine Klimaschutzvereinbarung unterzeichnen. Sie beinhaltet die unternehmerischen Klimaschutzziele und entsprechende Maßnahmen.
 

Kurzum

Mehr Tempo bei der regionalen  Energiewende bedeutet mehr Unabhängigkeit von Energieimporten. Es stärkt die Gemeinschaft und fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Es bekämpft wirksam den Klimawandel und stärkt die nachhaltige Wertschöpfung im Land. Das sind alles gute Gründe, die für einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien und für entsprechende Investitionen in die Zukunftsenergieträger sprechen.

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