Strom, Heizöl, Gas – Warum steigen die Energiepreise?

Menschen in ganz Europa schauen diesen Winter mit Sorge auf die steigenden Energiepreise und viele fragen sich: Ist die Energiewende daran schuld? Manche vermuten, die Ursache für die steigenden Preise seien unter anderem die EEG-Umlage und die CO-Bepreisung. Wir haben das Thema genauer beleuchtet und klären auf.  

Die Ursachen für die steigenden Energiepreise

Wer beispielsweise im Januar 2022 einen neuen Gastarif für ein Einfamilienhaus abschließt, zahlt bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Schnitt 12,21 Cent je Kilowattstunde und damit rund 73 Prozent mehr als im Jahresmittel 2021. 

Die derzeitigen Energiepreisanstiege resultieren maßgeblich aus der weltweiten Konjunkturerholung und der entsprechend starken globalen Energienachfrage – der Ausbau der erneuerbaren Energien oder die Klimaschutzbemühungen sind keine Ursache für die derzeitige Lage.

Eine Hauptursache sind die höheren Beschaffungskosten. Diese haben sich aufgrund der vor allem ab dem 4. Quartal 2021 sehr stark angestiegenen Großhandelspreise für Erdgas um 130 Prozent für Einfamilienhäuser und 152 Prozent für Mehrfamilienhäuser erhöht. 

Teilweise resultieren Preissteigerungen aber auch aus spekulativen Beschaffungsstrategien der Energieversorger. „Wir müssen uns gemeinsam mit der Bundesregierung sehr genau anschauen, wie wir Verbraucherinnen und Verbraucher in Zukunft vor Spekulationen auf dem Energiemarkt schützen können,“ sagte die baden-württembergische Energieministerin Thekla Walker Anfang 2022. Damit spielt die Ministerin auch auf einzelne preisaggressiv am Markt agierende Versorger an, deren riskante kurzfristige Einkaufsstrategie zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten führte, so dass Energielieferverträge gekündigt wurden. Die Zeche zahlen buchstäblich die Kundinnen und Kunden, die sich nach Überführung in die Grundversorgung nun in einem erheblich teureren Grundversorgertarif finden.

Die aktuellen Energiepreisentwicklungen machen laut Thekla Walker zudem deutlich, „wie abhängig wir noch von fossilen Energieträgern sind“. Der weitere rasche Ausbau der erneuerbaren Energien und Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz seien daher nicht nur im Sinne des Klimaschutzes, sondern auch mit Blick auf die Energiepreise essenziell.

Diagramm Erdgaspreis für Einfamilienhäuser
Erdgaspreis für Einfamilienhäuser // Quelle: Grafik des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Stand: 01/2022

Wie kann den steigenden Energiepreisen begegnet werden?

Ausbau der erneuerbaren Energien 

Um die Energiekosten künftig möglichst niedrig zu halten, ist – wie auch von der Europäischen Kommission gefordert – ein schneller und konsequenter Ausbau der erneuerbaren Energien in allen Bereichen nötig. Ein ambitionierter Ausbau senkt die Börsenstrompreise. 

Steigerung der Energieeffizienz

Die Energiekosten hängen neben dem Preis auch von der benötigten Energiemenge ab. Daher muss die allgemeine Energieeffizienz verbessert werden. Mit höheren Energiepreisen steigt die Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit von Energiesparmaßnahmen beispielsweise zur Senkung des Wärmebedarfs durch die Gebäudesanierung.

Abschaffung der EEG-Umlage

Mit dem Senken der EEG-Umlage im Januar 2022 von 6,5 Cent pro Kilowattstunde auf 3,72 Cent pro Kilowattstunde konnten Preissteigerungen beim Strom zumindest etwas abgefangen werden. Die im Koalitionsvertrag der Ampelregierung vereinbarte Abschaffung der EEG-Umlage ist jedoch unerlässlich.

CO₂-Bepreisung auch für Vermieterinnen und Vermieter 

Die eingeführte CO₂-Bepreisung für Wärme ist ein richtiges und wichtiges Element für den Klimaschutz. Allerdings gilt es, für eine gerechte Verteilung zu sorgen: „Nicht nur die Mieterinnen und Mieter, sondern auch die Vermietenden müssen sich an den CO₂-Kosten beteiligen. Dies hat die vormalige Bundesregierung bislang versäumt zu regeln – und ist eine Aufgabe für die neue Bundesregierung“, so Thekla Walker. 

Finanziell schwache Haushalte leiden besonders: starke Energieberatung im Land

Baden-Württembergs Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Thekla Walker appelliert an die Bundesregierung, zur Entlastung einkommensschwacher Haushalte zu prüfen, ob es insbesondere mit Blick auf die steigenden Heizkosten kurzfristig eines sozialen Ausgleichs bedarf. Denkbar wären beispielsweise eine Erhöhung des Wohngeldes oder die zeitweise Aussetzung von Strom- und Gassperren, wie dies zur Corona-Pandemie eingeführt wurde. Das Land selbst wird die Energieberatung für einkommensschwache Haushalte weiter stärken – kompetente Ansprechpartnerinnen und -partner finden sich aber schon jetzt sowohl bei den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale als auch bei den Energie- und Klimaschutzagenturen.

„Nicht die Erneuerbaren sind an der Preissteigerung schuld, sondern vor allem auch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.“

Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg

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