Wachstumsmotor Klimaschutz: Der Mehrwert der Energiewende

Die Energiewende ist nicht nur gut fürs Klima, sie bringt auch die deutsche und baden-württembergische Wirtschaft voran – mit Innovationen, Exportmöglichkeiten und neuen Jobs. Längst steht hinter ihr kein Fragezeichen mehr, sondern ein dickes Ausrufezeichen: Die Energiewende zeigt Erfolge und hat als eines der größten Modernisierungs- und Investitionsprojekte in Deutschland inzwischen sogar weltweiten Vorbildcharakter. 

Energieeffizienz lohnt sich – im Großen und Kleinen

Ob Lüftungsanlage, Pumpensysteme, Wärmeversorgung oder Beleuchtung: In der Wirtschaft hat sich Energieeffizienz als positiver Wettbewerbsfaktor erwiesen. Denn mit neuen Technologien und optimierten Prozessen sinkt der Energieverbrauch merklich. Druckluft verbraucht um die Hälfte weniger Energie, Beleuchtung ist dank der LED auch in Fabrikhallen und Bürogebäuden um 70 % effizienter. Auch indem sie Prozessabwärme nutzen, leisten Unternehmen ihren Beitrag zum Umweltschutz und verschaffen sich zudem wichtige Wettbewerbsvorteile. Die Energiewende kurbelt die Wirtschaft damit auch langfristig an, wobei „mehr Wachstum“ endlich nicht mehr gleichbedeutend mit „mehr Energieverbrauch“ ist.

Innovationskraft dank Sonne und Wind

Die Energiewende ist Motor für Innovationen. So hat sich die Anzahl der jährlichen Patentanmeldungen im Bereich der erneuerbaren Energien deutschlandweit seit 2005 fast vervierfacht. In Baden-Württemberg wurden zwischen 2014 und 2016 insgesamt 204 Patente angemeldet. Damit liegt das Bundesland zusammen mit Bayern (236 Patente) im nationalen Vergleich an der Spitze. Immer neue Geschäftsfelder und Absatzmärkte sind in den letzten Jahren entstanden. Kleine Start-ups profitieren hiervon ebenso wie große Traditionsunternehmen. Beim Siemens-Konzern etwa ist das Geschäft mit Windkraft und Gleichstromleitungen inzwischen weit einträglicher als der klassische Handel mit Großelektrogeräten.

Mit der Forschungsförderung schafft Baden-Württemberg Anreize, die Technologien der erneuerbaren Energien weiterzuentwickeln. So fördert das Land z. B. die Grundlagenforschung an Hochschulen und Instituten oder die Innovationen von kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Exportschlager Klimaschutz

Produkte und Technologien aus den Bereichen Erneuerbare, Effizienz, intelligente Netze und Systemintegration sind inzwischen auf der ganzen Welt gefragt. Vielfach sind deutsche Unternehmen international führend. Dazu trägt auch die Exportinitiative Energie des Bundeswirtschaftsministeriums bei, die v. a. kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstützt, mit Energietechnologien neue Märkte zu erschließen. Für unser Bundesland hat es sich das Kompetenzzentrum Baden-Württemberg International (bw-i) zur Aufgabe gemacht, den Weltmarkt für hiesige Unternehmen zu erschließen.

Aus der Nische zum Arbeitgeber für Millionen

Wie sehr aus dem ehemaligen Nischenmarkt inzwischen ein starker Wirtschaftszweig erwachsen ist, unterstreicht insbesondere die Zahl derer, die in der Branche der erneuerbaren Energien beschäftigt sind. Laut einer Studie der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energie (IRENA) verdienten im Jahr 2017 rund 10,3 Mio. Frauen und Männer mit regenerativer Energie ihr Geld. Deutschland ist ganz vorne dabei: 330.000 Beschäftigte arbeiten hierzulande in der Branche der Erneuerbaren, fast die Hälfte davon ist in der Windbranche angestellt. Die IRENA-Experten erwarten, dass diese Entwicklung weiter anhält und die Zahl der Beschäftigten im Bereich der Erneuerbaren bis 2030 auf fast 24 Mio. steigen wird.

Auch in Baden-Württemberg hängt inzwischen gut jeder 100. Arbeitsplatz mit der Energiewende zusammen, wie eine gemeinsame Studie des Umweltministeriums Baden-Württemberg und des DGB von Ende 2016 zeigt. Eine besonders starke Beschäftigungswirkung geht dabei vom Ausbau der erneuerbaren Energien aus (37.000 Arbeitsplätze im Jahr 2014), gefolgt vom Bereich Energieeffizienz von Gebäuden und in der Industrie (19.000) sowie dem Netzausbau (600).

Junger Erwachsener mit Bauhelm steht vor Windrädern
Copyright: Shutterstock/nostal6ie

Gesucht: Helle Köpfe mit grünem Gewissen

Damit die Energiewende neue Kräfte freisetzen kann, ist fachliches Knowhow gefragt. Schon jetzt sind durch sie neue Berufsprofile entstanden, die zum Gelingen des Generationenprojekts entscheidend beitragen. Anlagenmechaniker im Solaranlagenbereich, Netzplanerin, Windenergie-Servicetechniker oder Energieberaterin sind nur einige der Karrieremöglichkeiten. Die Berufsorientierungsinitiative „Energiewende schaffen“ informiert über die vielfältigen beruflichen Chancen für zukünftige „Energiewenderinnen und -wender“.

Einige von ihnen stellen wir Ihnen hier vor:

Die machen‘s spannend: Elektroingenieurinnen und Elektroingenieure

Wie verwandeln wir Sonne, Wind und Wasser in Strom? Und wie bringen wir diesen von A nach B? Wer das weiß, ist heute gefragt: Elektroingenieurinnen und -ingenieure entwickeln Technologien und stellen als Berater und Gutachter ihr Wissen zur Verfügung. 

Die kennen ihren Stoff: Materialwissenschaftlerinnen und Materialwissenschaftler

Sie wissen, wie man die Lebensdauer von Batterien erhöht, welche Alternativen es zur Brennstoffzelle gibt und welcher Dämmstoff für Altbauten der effizienteste ist: Materialwissenschaftlerinnen und Materialwissenschaftler setzen ihr interdisziplinäres Wissen aus Chemie, Physik, Informatik, Elektrotechnik und Geowissenschaft beispielsweise auch in den Bereichen Geothermie und Photovoltaik ein. Die Schwerpunkte des Studiums „Werkstoff- und Materialwissenschaften“ variieren von Hochschule zu Hochschule. 

Die sind gut geerdet: Geologinnen und Geologen

Geologen sorgen dafür, dass Natur und Technik bestmöglich zusammenspielen. Sie erforschen und erproben etwa, wie man im Erduntergrund gleichzeitig CO₂ speichern und Wärme gewinnen kann – und leisten so einen Beitrag zu den Klimazielen. Auch Themen wie die Endlagerung atomarer Restbestände gehören zum Fachgebiet der Geologie. Im Berufsalltag pendeln die „Erdflüsterer/innen“ zwischen Land und Labor. 

Die haben die Kohle im Blick: Energiewirtschaftsmanager/innen

Baden-Württemberg hat die Chance, zur Boom-Region für Umwelttechnologien aufzusteigen. Das gelingt jedoch nur, wenn Kaufleute bei aller Aufbruchsstimmung einen kühlen Kopf bewahren. Energiewirtschaftsmanagerinnen und -manager verwandeln neue Technologien in wirtschaftliche Erfolge und machen sie so fit für die Zukunft. 

Die bringen gute Energie ins Haus: Energieberaterinnen und Energieberater

Energetisch gesehen ist jedes Haus eine eigene Einheit. Um seine Energieverluste zu minimieren und Energieeinsparpotenziale aufzudecken, hilft der Experten-Blick in jeden Winkel. Auch bei der Umrüstung privater Heizungsanlagen auf Pellets oder Solarenergie sind sie erste Ansprechpartner – oft ist es sinnvoll, sie schon bei der Planung eines Neubaus einzubeziehen. Achtung: Energieberaterin bzw. Energieberater ist kein geschützter Titel. Daher bieten sich viele Ausbildungsmöglichkeiten, bspw. die zum Architekten, Ingenieur, zum Techniker der Fachrichtung Umweltschutz oder zum Umwelttechniker. 

Die sind Profis im Networking: Netzmonteurinnen und Netzmonteure

Das Energienetz der Zukunft will nicht nur geplant, sondern vor allem auch gebaut werden. Netzmonteurinnen und Netzmonteure übernehmen sämtliche technischen Aufgaben beim Bau und Betrieb von Versorgungsnetzen und -anlagen. Sowohl private als auch öffentliche Unternehmen sind auf ihre Expertise bei der Strom-, der Gas- und der Wasserversorgung angewiesen. 

Die starten durch: Produktmanagerinnen und Produktmanager Elektromobilität

Wer Energie sparen und effizienter einsetzen will, muss auch die Welt der Mobilität verändern. Produktmanagerinnen und Produktmanager im Bereich Elektromobilität entwickeln neue Strategien und innovative Konzepte, wie Menschen in Zukunft von einem Ort zum anderen kommen. Elektroantriebe spielen dabei eine tragende Rolle – sowohl bei Automobilen als auch bei Fahrrädern, mit denen durch Elektromotoren selbst längere Strecken schneller zurückgelegt werden können. 


Energiejobs in Baden-Württemberg

Wappen Baden-Württemberg auf grünem Hintergrund

Jobmotor Energiewende: Die Energiewende bietet jungen Menschen in Baden-Württemberg mit guten Ideen viele berufliche Chancen. Neue Jobs und große Herausforderungen im Bereich der Forschung warten darauf, entdeckt und bewältigt zu werden. Allein in Baden-Württemberg gibt es mehr als 30 Studiengänge und zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten, die auf eine Karriere im Bereich der erneuerbaren Energien vorbereiten. Informieren Sie sich und nehmen Sie aktiv an der Energiewende teil!

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