Grünen Strom selbst produzieren und nutzen

Regenerativen Strom völlig unabhängig selbst produzieren und vor Ort verbrauchen? Was wie Zukunftsmusik klingt, hat Diplom-Ingenieur Friedhelm Widmann längst in die Tat umgesetzt. 2012 plante der Geschäftsführer der Widmann Energietechnik GmbH ein neues Büro- und Produktionsgebäude. Seine „Energiefabrik EnFa“ ist ein stromautarkes Gebäude, das sich mit Sonnenstrom, Wärmepumpen und Biogas komplett selbst versorgt.

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In der Wanderausstellung „Baden-Württemberg – Energiewende erleben“ stellen wir Menschen und Projekte vor, die die Energiewende im Land aktiv mitgestalten. Entdecken Sie hier inspirierende Geschichten sowie Informationen, wie auch Sie Teil der Energiewende werden können.

Bildcollage mit Gebäude, E-Auto-Ladestation und Maschienen

Beispielhaft und netzunabhängig: Strom aus der Fabrik

Die 2014 in Neuenstadt am Kocher errichtete EnFa ist ein lang gestreckter Gebäudekomplex, auf dessen Flachdach eine flexibel ausrichtbare Photovoltaikanlage installiert ist. Die vier Fassaden sind mit Photovoltaikmodulen ausgekleidet. Der aus der Solarenergie erzeugte Strom wird in einem Batteriesystem im Technikraum des Gebäudes gespeichert. Zusammen erzeugen die Module ca. 90.000 kWh pro Jahr. Der Strom fließt, sofern er nicht direkt von den 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Unternehmens verbraucht wird, in eine Wärmepumpe, die das Gebäude je nach Bedarf heizt bzw. kühlt. Überschüssige Energie wird in einem Blei-Gel-Batteriespeicher mit 400 kWh zwischengelagert.

Gibt es nicht genug Sonnenschein, kommt ein Biogas-Blockheizkraftwerk (BHKW) zum Einsatz, welches Strom sowie Wärme produziert. Für den Notfall oder bei größeren Schwankungen in Erzeugung und Verbrauch steht ein weiteres BHKW im Keller. Das Herz der EnFa ist jedoch das vom Unternehmen selbst entwickelte computerbasierte Energiemanagementsystem: Mit ihm lassen sich Produktion, Verteilung und Verbrauch der Energie intelligent steuern und optimieren. So entscheidet das System zum Beispiel, wann der ideale Zeitpunkt ist, die fi rmeneigenen E-Autos an den Ladesäulen mit Solarstrom aufzutanken.

„Die EnFa zeigt schon jetzt eine Möglichkeit, wie Deutschland im Jahr 2050 einzig und allein mit erneuerbaren Energien versorgt werden kann.“

Die EnFa (über)erfüllt also schon heute die strenge EU-Gebäuderichtlinie. Gemäß dieser dürfen ab 2021 nur noch Niedrigstenergiehäuser gebaut werden, deren geringer Energiebedarf sich zu einem ganz wesentlichen Teil durch am Standort selbst erzeugte Energie aus erneuerbaren Quellen decken lässt.

Das Projekt in Zahlen

Projekt in Zahlen 6
Projekt in Zahlen
Projekt in Zahlen
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Projekt in Zahlen
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Portrait Friedhelm Widmann

Vier Fragen an Friedhelm Widmann

Ihre größte Motivation?
Ich wollte beweisen, dass es technisch und wirtschaftlich möglich ist, mit regenerativen Energien zu arbeiten.

Die größte Herausforderung?
Die technische Umsetzung. Es gab bislang keine vergleichbare Anlage in dieser Form.

Ihr persönliches Highlight?
Dass alles seit sechs Jahren ohne Probleme funktioniert. 

Ihr Geheimtipp?
Wichtig ist der Gedanke, möglichst viel erneuerbare Energie dort zu verbrauchen, wo sie auch erzeugt wird.

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